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Elf Männer – eine Gemeinsamkeit

Zum Internationalen Männertag am 19. November hat animal.fair den veganen Haubenkoch Siegfried Kröpfl, Kampfsportler Daniel Zellan, Ernährungsökologe Mag. Martin Schlatzer und den veganen Foodblogger Philipp Ertl gefragt, ob sie aufgrund ihrer Lebensweise von anderen Männern angefeindet werden, welchen Zugang Männer zu Veganismus haben und ob bei der Partnerwahl „vegan“ eine Rolle spielt. Zudem haben uns neun außergewöhnliche Männer ihre stärksten Argumente für eine vegane Lebensweise verraten. Das sind sie. Spread the word.

Video: Marina Providakis / animal.fair

Haubenkoch Siegfried Kröpfl, veganpower-Gründer und Kampfsportler Daniel Zellan, Ernährungsökologe Mag. Martin Schlatzer und der vegane Foodblogger Philipp Ertl im spannenden Talk mit animal.fair, über Veganismus in der Männerwelt. 

Feinden andere Männer Sie wegen Ihrer Einstellung an?

Mag. Martin Schlatzer: Ich muss sagen, dass das vor 20 Jahren sehr wohl der Fall war, aber es kam nicht nur zu unreflektierten Kommentaren von Männern, sondern auch zu einem guten Teil von Frauen. Heutzutage ist bereits ein gewisses Bewusstsein gegeben, Menschen interessieren sich mehr für die Ernährung und sind weit offener. Anfeindungen in dem Sinn erlebe ich so gut wie gar nicht mehr.

Siegfried Kröpfl: Ja, habe ich schon erlebt. Besonders auf Facebook, aber auch in Gesprächen höre ich sehr abweisende Kommentare und Zurückhaltung. Ich habe durch meine Umstellung auch Freunde verloren, aber das schöne ist, ich habe doppelt so viele neue gefunden. Und möchte hier auch noch dazu sagen, dass viele die von vornherein negativ zu diesem Thema standen, ihre Meinung geändert haben.

Daniel Zellan, veganpower.at: Nein, mich feinden kein Männer an. Ich hatte wirklich keine Probleme damit, aber das kommt wahrscheinlich auch daher, dass ich keinen mit dem Thema ständig therapiere, also ich dränge niemandem irgendeine Lebensweise auf.  Ich mache da keine Religion daraus.

Laut Statistiken leben mit rund 80%  viel mehr Frauen vegan, als Männer. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Brauchen Männer einen anderen Zugang als Empathie und Mitgefühl, welcher beim weiblichen Geschlecht oft der Hauptgrund ist?

Philipp Ertl, exceedingly vegan: Ich glaube bei Männern ist noch immer das Rudelverhalten sehr ausgeprägt. Man(n) hat Angst davor anders zu sein und seinen eigenen Weg zu gehen. Außerdem ist Fleisch leider noch immer mit Maskulinität verbunden. Dabei finde ich es viel männlicher, wenn man als Mann die Stärke hat Mitgefühl zu zeigen. Die Fitness-Industrie hat auch einen großen Teil zu diesem Irrglauben beigetragen. Männer glauben, um groß und stark zu sein, brauchen sie extrem viel tierisches Eiweiß. Das stimmt halt nicht.

Siegfried Kröpfl: Ja, ich glaube die Männer haben hier einen anderen Zugang. Mann war und ist Jäger – wer möchte sich schon gerne eingestehen, dass das nicht mehr so ist. Ist auch viel mit Stolz verbunden, ich weiß jedoch nicht mit welchem Stolz. Und ja, die Männer brauchen mehr Zeit, weil es vielleicht von unserer Umwelt eben als nicht männlich angesehen wird, kein Fleisch zu essen.

Mag. Martin Schlatzer: Ich denke, dass es bei den Frauen auch oft stark an dem Gesundheitsbewusstsein liegt, dass aber auch in gewissen Fällen mit einem Wunsch nach einem geringeren BMI zusammenhängen könnte. Ich denke, dass es unabhängig vom Geschlecht unterschiedliche Typen gibt, für die unterschiedliche Themen eine Rolle bei der Wahl ihrer Ernährungsweise spielen mögen. Der Konsum von Fleisch ist in bestimmten Regionen, auch global gesehen, mit Lebenskraft und Stärke assoziiert. Dieses Image wurde ja auch lang über die Medien gespielt, wodurch dieses Bild noch verstärkt wurde.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Umstellung reagiert?

Siegfried Kröpfl: Am Anfang erschrocken, mit vielen Fragen und Verständnislosigkeit. Ich musste mich fast ein Jahr lang entschuldigen, warum ich jetzt keine tierische Produkte mehr esse. Dann kamen oft  Aussagen, wie „aber dass tolle Fleisch der tolle Fisch, was isst Du denn? Dir muss es ja schlecht gehen, man kann ja gar nichts mehr essen“ usw.

Philipp Ertl, exceedingly vegan: Anfangs mit sehr viel Zweifel. Ich habe mich oft in einer Situation befunden, in der ich das Gefühl hatte mich rechtfertigen zu müssen. Das hat sich mittlerweile sehr stark geändert. Früher haben sie mich gefragt WARUM ich das mache, und jetzt fragen sie WIE ich das mache.

Mag. Martin Schlatzer: Mein Umfeld hat zu allererst gefragt, was „vegan“ überhaupt bedeutet oder warum ich mich „veganisch“ (wurde unkorrekter Weise früher oft so genannt) ernähre. Es gab von Seiten des männlichen Teiles meines Freundeskreises doch einige Sticheleien, gerade beim Grillen wurde mein Tofu doch des Öfteren angefeindet.

Legen Sie bei der Partnerwahl Wert darauf, dass Ihr Gegenüber vegan is(s)t?

Daniel Zellan, veganpower.at: Ja., meine Partnerin sollte vegan/vetarisch sein, sportlich und nicht rauchen. Meine Frau isst vegan/vegetarisch und unser Kind erziehen wir auch vegan.

Siegfried Kröpfl: Nein nicht wirklich, man kann über alles sprechen. Hier zuerst fragen ob jemand vegan lebt , glaube ich ist nicht der richtige Zugang. Aber man muss sich dann auch ergänzen können und das Verständnis muss da sein, sonst wird es nicht funktionieren.

Philipp Ertl, exceedingly vegan: Ja und nein. Auf der einen Seite wäre es praktisch, aber auf der anderen Seite bin ich auch erst seit drei Jahren Veganer, also es kann sich viel ändern, solange man offen bleibt. Ich will jetzt in einer Beziehung aber auch kein Missionar sein.

Mag. Martin Schlatzer: Wenn ich eine Frau kennen lerne, ist es nicht die erste Frage, ob sie vegetarisch oder vegan lebt. Der Mensch ist sehr facettenreich, wobei die Ernährung eine von vielen Rollen einnimmt. Es ist natürlich kein Nachteil, wenn meine Partnerin vegetarisch oder vegan lebt, aber man sollte nicht prinzipiell gleich davon ausgehen. Die meisten, die sich jetzt vegetarisch oder vegan ernähren, haben sich ja auch nicht schon ein Leben lang so ernährt.

Tipp(s) für den Umstieg zu einer veganen Lebensweise?

Siegfried Kröpfl: Ja, ganz einfach mit dem Frühstück anfangen. Beim Kaffee statt Milch, einen Soja-, Mandel- oder Vanille-Drink verwenden. Margarine statt Butter nehmen. Und immer wieder etwas weglassen und ersetzen. Nicht mit Zwang sondern einfach langsam herantasten. Man wird mit der Zeit merken, dass es sehr einfach ist, sich Pflanzlich zu ernähren und dass es gut tut.

Daniel Zellan, veganpower.at:  Einfach 1 bis 2 Mal die Woche pflanzlich essen, dann werdet ihr durch das bessere Lebensgefühl wahrscheinlich automatisch mehr vegane Tage einbauen.

Philipp Ertl, exceedingly vegan: Nimm dir Zeit. Du musst nicht von Anfang an perfekt sein. Informiere dich und sei dir bewusst darüber was du isst. Über den positiven oder negativen Einfluss den deine Ernährung auf dich und andere (Tiere, die Umwelt) hat. Es geht darum Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Der Rest kommt dann von alleine.

Mag. Martin Schlatzer: Wer auf eine vegane Ernährung umstellt, sollte sich möglichst umfangreich ernähren – was eigentlich für alle Ernährungsformen gilt. Zusätzlich ist auf eine ausreichende Zufuhr von essentiellen Nährstoffen wie bestimmte Mineralstoffe – beispielsweise Calcium, Selen, Zink –  aber auch Vitamin D und vor allem Vitamin B12 zu achten. Wenn man auf eine vielseitige und umfangreiche vegane Ernährung achtet, profitiert man schließlich von einem geringeren Risiko für Bluthochdruck, Diabetes Mellitus 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bestimmte Krebsarten.

Was ist das Ziel Ihrer Arbeit? Was motiviert Sie?

Philipp Ertl, exceedingly vegan: Mein Ziel ist es zu zeigen, wie einfach es ist vegan zu sein. Ich will dadurch die Hemmschwelle nehmen. Als ich vegan wurde, hat sich mir eine völlig neue Welt eröffnet und die möchte ich nun mit anderen Leuten teilen.

Daniel Zellan, veganpower.at: Mich motiviert an meiner Arbeit, dass wir mit veganpower.at etwas Gutes für die vegane Lebensweise und die Tiere tun. Wir bringen „neuen“ Menschen wie z.B.: Sportlern mit unseren Produkten eine pflanzliche Ernährung näher.

Siegfried Kröpfl: Mein Ziel ist es die Menschen aufzuklären und mit einfachen Mitteln davon zu überzeugen wie gut es ist, der Umwelt und den Tieren Hochachtung zu schenken. Es ist einfach schön Menschen etwas Gutes zu tun – und natürlich den Tieren. Meine Motivation ist die Massentierhaltung – und dem werde ich noch lange entgegenwirken. Ein großes Ziel ist es ebenso, dass bald gesünderes Essen in den Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen Einzug halten wird.

Mag. Martin Schlatzer: Eines meiner primären Ziele im Zuge meiner wissenschaftlichen Arbeit ist es, die Auswirkung der Ernährung auf Umwelt, Klima und Ressourcen darzustellen. Meine Motivation für die Arbeit generiert sich auch aus dem Wunsch nach einer besseren und nachhaltigeren Welt.

Danke für das nette Gespräch!

Siegfried Kröpfl leb seit vier Jahren vegan. Seither hat er über 20 Kilo abgenommen, ist seine schwere Allergie los geworden und hat, wie er selbst sagt, mehr Energie denn je. Seit September 2015 arbeitet er selbständig als Gastronomie Consulter mit veganem Schwerpunkt. Der Haubenkoch bietet Seminare, Kochkurse und Gastro-Konzepte für Hotels, Restaurants und Großküchen an.

Außerdem unterrichtet er an der Gastgewerbefachschule Wien (GAFA) am Judenplatz die SchülerInnen in der veganen Küche und leitet zusätzlich auch die Vegucation-Ausbildung zur zertifizierten vegan-vegetarischen Fachkraft.

Homepage: www.siegfriedkroepfl.com

Siegfried Kröpfl

Foto: © Walter Sieberer

 

Philipp Ertl ist in Österreich aufgewachsen und lebt seit über 11 Jahren in London. Weil er mit dem Rauchen aufhörte, entdeckte er gesundes und vor allem pflanzliches Essen für sich. Seit drei Jahren lebt er nun vegan und experimentiert für sein Leben gerne in der Küche. Die Ergebnisse lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Neben seinem Beruf als Grafiker betreibt er leidenschaftlich seinen veganen Foodblog Exceedingly Vegan. Seine wunderbaren Rezepte findest du auf  Facebook, TwitterInstagram und Youtube.

Foto: © Philipp Ertl

 

Mag. Martin Schlatzer lebt seit 20 Jahren vegan. Er ist Ernährungsökologe und arbeitete zu interdisziplinären Forschungsprojekten am Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur in Wien. Er studierte Ernährungswissenschaften an der Universität Wien und ist Autor des Fachbuches „Tierproduktion und Klimawandel“.

Des Weiteren ist er Medienpartner und Fachvortragender zu den Themen Ernährung im Kontext von Klimawandel, Umwelt und Ressourcen sowie Ernährungssicherung.
Homepage: www.martin-schlatzer.at

Foto: © Martin Schlatzer[/caption)

 

Daniel Zellan: „Tätowiert bis in den Nacken, 32 Jahre jung und leidenschaftlicher Kampfsportler“, so beschreibt sich der Gründer von veganpower.at selbst. Im Jahr 2011 erlitt der Oberösterreicher aus unerklärlichen Gründen einen Allergieschock. Daraufhin fing er in Absprache mit seinen Ärzten an, sich vegan zu ernähren. Seine Allergien wichen und innerhalb kürzester Zeit erzielte er wieder große Erfolge im Kampfsport.Mit seinem „Baby“ veganpower verkauft Daniel Zed (Künstlername), als erster in Österreich, vegane Sportnahrung. Zudem produziert er Kochvideos. Zu kaufen gibt es seine hochwertigen Produkte mit Bio-Zertifikat im veganpower.at-Onlineshop oder in seinem Geschäft in Linz.

Foto: © veganpower

Großes Danke an die mutigen Herren, die an dem Video mitgewirkt haben:

Andreas Bilgeri (Vegana Indiana), David (Vegane Gesellschaft Österreich), David (Verein gegen Tierfabriken), Fabian (Vegane Gesellschaft Österreich), Harald Balluch (Verein gegen Tierfabriken), Franz (Verein gegen Tierfabriken), Dr. Dr. Martin Balluch (Verein gegen Tierfabriken).

 

Philipp Ertl, exceedingly vegan: Videobotschaft in voller Länge: „Darum lebe ich vegan“

 

Ein Artikel von Marina