Äußerst spannend: “Vegan für alle”, die Autobiographie von Veganz-Gründer Jan Bredack

Piper Verlag

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Am 13. Juni wird die Wiener Veganz-Filiale eröffnet. Und heute ist die Autobiographie von Jan Bredack erschienen, der diese erfolgreiche vegane Supermarkt-Kette gegründet hat. Wir haben sie bereits für Euch gelesen.

Am 23. Juli 2011 war es soweit – in der Berliner Schivelbeinerstraße wird in einem neu gebauten Ökohaus der erste Veganz-Supermarkt eröffnet. Die Presse ist begeistert, die Kunden – unter ihnen auch viele Laktoseintoleranten, neugierige Allesesser und Gesundheitsbewußte – sind es auch. Wenig später wird eine zweite Berliner Filiale eröffnet, inzwischen gibt es weitere in Hamburg, Frankfurt und München; Essen, Leipzig, Prag, Wien stehen kurz vor der Eröffnung, andere sind in Planung.

Die rasante Veganz-Expansion beruht nicht nur auf der Tatsache, dass  der vegane Lebensstil in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sondern auch auf Jan Bredacks Managementfähigkeiten.

Dass  er diese einmal besitzen würde, hätte ihm in seiner Kindheit wohl keiner vorausgesagt.

Jan Break wächst  zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin auf. Wegen eines pubertären Unsinns wird er in der Schule zum Klassenfeind, an ein Studium ist nicht mehr denken. Aber er ist klug und schnell, wird Automechaniker, profiliert sich mit einem Reparaturservice, einer Service-Hotline, mit Know-How über technische Neuentwicklungen und Praxiswissen. Seine neue Heimat findet er bei Daimler-Benz. Er steigt immer weiter auf, der Beruf fordert, und Bredack nimmt die Herausforderung enthusiastisch an – mit allen Konsequenzen. Um bei der Geburt des eigenen Kindes dabei zu sein, ist keine Zeit.

Er wiegt 115 Kilo, ernährt sich lange vorwiegend von Currywurst, frequentiert mit zunehmendem gesellschaftlichen Aufstieg denn die edleren Restaurants. Irgendwann siegt das Gesundheitsbewusstsein. Er beginnt, zur Arbeit zu laufen –  bis zu 30 Kilometer in einem Stück. Und er hält auch das eisern durch. Ein Bilderbuchmanager also, in jeder Hinsicht – inklusive egoistischem Jet-Set-Leben, Nobelvilla und unvermeidlichem Burn Out samt radikalem Umdenken.

An diesem  Neustart hat seine ebenfalls neue Freundin Schuld. Sie ist Vegetarierin, mit ihr zieht er im Auftrag von Daimler-Benz nach Moskau. Zum Vegan-Werden und dem kompletten Ausstieg aus der Automobilbranche sind es danach nur wenige, aber ereignisreiche Schritte.

Jan Bredack, Foto: PrivatHeute besitzt Jan Bredack keinen Businessanzug mehr. Dass er  noch immer ein Workaholic mit einem Arbeitstag von bis zu 14 Stunden ist, gibt er unumwunden zu – doch jetzt ist er im Flow, hat körperliche Energie und ist sich bewusst, dass sein Unternehmen einer guten, nachhaltigen Sache dient. Schattenseiten gibt es dennoch.

Kaum ist das Berliner Veganz  auf Schiene, müssen Bredack und sein Team etwa erleben, dass selbst unter veganen Weltverbesserern oft Fundamentalismus, Hass, Selbstgerechtigkeit, Aggression und Zerstörungswut herrschen. Das Veganz Team steht die Attacken durch, der Erfolg gibt ihm recht.

“Vegan für alle” ist also ein fesselnd aufgebautes, dicht geschriebenes Buch und im unterschied zu anderen (Auto)Biographien gänzlich frei von Geschwätzigkeit. Das Biographische wird zudem immer wieder geschickt durch Fakten zur Tierproduktion,  Welternährung und  Themen wie “vegan sein”,  Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit unterbrochen und ergänzt.

So geht es hier also nicht nur um private Erfahrungen, Umbrüche, Fehler, Selbsterkenntnisse und Veränderungen, sondern auch um jenen Aspekt, der dem 42jährigen am meisten am Herzen liegen:  nämlich darum, dass vegan zu leben für die Tiere, die Menschen und die ganze Welt das Allerbeste ist. Schließlich heißt auch der Slogan seines Unternehmens “Veganz – wir lieben leben”.

Jan Bredack (Mitautor Helmut Kuhn): Vegan für alle. Warum wir richtig leben sollten.
Piper Verlag 2014
ISBN: 978-3-492-05630-4
20,60 Euro

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Ein Artikel von Ruth