The True Cost – wie nachhaltig ist Fast Fashion?

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In der 90-minütigen Dokumentation “The True Cost“ von Andrew Morgan wird die Kleidungsherstellung und die Auswirkungen der dahinterstehenden Textilindustrie auf Menschen und Umwelt thematisiert. Um die Situation der derzeitigen Modeindustrie zu illustrieren, werden Menschen mit verschiedenen Lebensverhältnissen unterschiedlicher Länder interviewt. Darunter ist auch die Inderin Shima, die in Delhi als Fabrikarbeiterin tätig ist und ihre Tochter im Dorf bei ihren Eltern zurücklassen muss, weil sie durch ihre Arbeitssituation keine Zeit für ihre Betreuung hat.

Der Großteil westlicher Modekonzerne produziert Textilprodukte in Bangladesch oder anderen asiatischen Niedriglohnländern. Damit Hemd und Hose bei uns zu einem niedrigen Preis gekauft werden können, wird am Produktionsort an Löhnen und Sicherheitsvorkehrungen gespart. Den Preis für vermeintlich “billige“ Mode zahlen die FabriksarbeiterInnen und die Umwelt. Die Einhaltung von ArbeiterInnen- und Menschenrechten oder Sicherheits- und Umweltschutzbestimmungen sucht man hier vergebens. Einen internationalen Aufschrei gab es erstmals anlässlich des Zusammensturzes des Fabrikgebäudes am Rana-Plaza in Bangladesch am 24. April 2013, bei dem 1.127 Menschen, hauptsächlich Frauen, ums Leben kamen. Der Unfall ist der schwerste Fabrikunfall in der Geschichte des Landes.

Trailer:

Schon lange vor dem Dreh hatte sich der Regisseur Andrew Morgan mit dem Thema “Fast Fashion“ auseinandergesetzt. “Fast Fashion“ ist Mode, die nur vorübergehend hip und angesagt ist, da nach kurzer Zeit wieder neue Kollektionen präsentiert und auf den Markt gebracht werden.

Einige bekannte Persönlichkeiten wie Stella McCartney (Founder & CEO, Stella McCartney Ltd.), Safia Minney (Founder & CEO, People Tree) und Livia Firth (Creative Director, Eco-Age), sowie der Psychologe und Autor Tim Kasser (Professor am Knox College in Illions), gaben Interviews und waren an der Produktion dieser Dokumentation beteiligt. Die Farmerin Larhea Pepper baut Bio-Baumwolle an und kommt ebenfalls zu Wort. Neben zahlreichen Interviews werden die katastrophalen Lebensumstände der Menschen in den Slums gezeigt, die in den Kleidungsfabriken arbeiten. Große Müllberge der weggeworfenen (Fast-Fashion-)Kleidung und Flüsse, die durch das in der Produktion verwendete Chrom verschmutzt werden, bezeugen die Auswirkungen des auf Profitmaximierung ausgerichteten Systems der Bekleidungsindustrie. Große Modeketten und die KäuferInnen der Textilprodukte zeichnen sich verantwortlich für: Chemikalien verseuchtes Trinkwasser, den übermäßigen Einsatz von Spritzmitteln, den Selbstmord verschuldeter Baumwollbauern, die von Gensaatgut-Konzernen wie Monsanto abhängig sind, sowie Hungerlöhne und menschenunwürdige Bedingungen in Fabriken.

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Sehr emotionale Szenenwechsel regen zum Nachdenken an, z.B. zwischen der Modewelt am Laufsteg und der Herstellung in den Fabriken in Indien oder zwischen dem berühmten “Black Friday“ in den USA (Beginn der Weihnachtseinkaufsaison) und den verschmutzen Flüssen in den Produktionsländern. Brauchen wir denn wirklich so viel Kleidung? Und wenn wir Kleidung brauchen, sollten wir dafür nicht auch einen fairen und ethisch angemessenen Preis zahlen?

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Standbilder aus The True Cost © truecostmovie.com

JedeR von uns hat es in der Hand, wir entscheiden mit unseren Einkäufen welches System wir unterstützen. In dem Zusammenhang wollen wir auf unsere Shopping-Guide-Rubrik “Kleidung” hinweisen und empfehlen nur tierfreundliche Textilien aus pflanzlichen Fasern, gefärbt mit ökologischen, nicht an Tieren getesteten Farben.

Wer True Cost sehen möchte – der Film läuft derzeit in folgenden Kinos:

  • Filmzentrum im Rechbauerkino, Graz
  • Moviemento, Linz
  • Top Kino, Wien

 

The True Cost – Der Preis der Mode
Regie: Andrew Morgan
92 Minuten, USA, 2015
http://truecostmovie.com

Zum Thema Missstände in der Modeindustrie empfehlen wir das von uns bereits vorgestellte Buch “Todschick. Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert“ von Gisela Burckhardt.

Ein Artikel von Laura