No Man’s Land – Wenn Tiere die einzigen Überlebenden auf unserem Planeten wären

Wie sieht eine Welt ohne Menschen aus? Was passiert, wenn Menschen plötzlich von der Erde verschwinden und die Natur sich ihren Raum zurückholt? Fotograf Henk van Rensbergen nimmt uns in seinem Bildband auf eine spannende Entdeckungsreise zu verlassenen Gebäuden und Industrieanlagen mit. Er zeigt uns seine Vision einer post-humanen Welt.

Innocentius (© Henk van Rensbergen/Knesebeck Verlag)

Henk van Rensbergen ist einer der Pioniere des Urban Exploring, der Suche nach unentdeckten Orten in Städten. Seit vielen Jahren fotografiert er Orte wie leerstehende Fabriken, Wohn- und Krankenhäuser. Die Natur eroberte diese von Menschen verlassenen Räume wieder zurück und es zeigt sich eine bizarre postapokalyptische Szenerie. Ergänzt hat der Autor einige dieser Szenen fiktiver globaler Auslöschung der Zivilisation mit lebenden Tieren – in diesen Kompositionen verschwimmt die Wirklichkeit mit Utopie.

Babette (© Henk van Rensbergen/Knesebeck Verlag)

Der Verhaltensforscher Desmond Morris verfasste das Vorwort zu diesem Bildband und erinnert uns an die Vergänglichkeit der menschlichen Spezies. Er entwirft drei Varianten wie die Menschheit plötzlich von der Erdoberfläche verschwinden könnte: Pandemien, Umweltverschmutzung und Nuklearkrieg.

Terrarium (© Henk van Rensbergen/Knesebeck Verlag)

Desmond Morris stellt Überlegungen an, wie es nach einer gewaltigen Katastrophe die jeden einzelnen Menschen vernichtet hat, weitergegangen sein könnte. Haustiere und sogenannte Nutztiere würden zunehmend verwildern, Wälder würden sich ausdehnen und Einfluss auf das Wetter haben, die Unterwasserwelt würde sich erholen.

Aegidius (© Henk van Rensbergen/Knesebeck Verlag)

Es mag hart klingen, aber Flora und Fauna unseres Planeten hätten nach unserem Untergang wesentlich bessere Bedingungen.

Desmond Morris, No Man’s Land, Knesebeck Verlag 2018

Suzanne (© Henk van Rensbergen/Knesebeck Verlag)

Der flämische Schriftsteller und Dichter Peter Verhelst hat mit „Logbuch“ eine Kurzgeschichte als Epilog des Bildbandes verfasst. Ein einziger, die Apokalypse überlebender Mensch betritt nach mehr als zwei Jahren die Erdoberfläche und findet sich in einer fremden Welt wieder. Eindrücklich schildert er seine Empfindungen und seine Umgebung: Verlassen, verfallen, verfault, verrostet, verwüstet – nur Ruinen und Reste menschlichen Lebens sind übrig geblieben. In ständiger Angst, nur mit einer Waffe ausgerüstet, versucht er in der wuchernden Vegetation andere Menschen zu finden. Seine Einsamkeit wird nur durch Begegnungen mit einer Löwin, einem Pferd, Wölfen, Hunderudeln und Vögeln unterbrochen. Der/die ProtagonistIn fragt sich: „Was ist mit uns passiert?“

Johnny (© Henk van Rensbergen/Knesebeck Verlag)

An anderer Stelle habe ich schon einmal gesagt, wir sollten uns eher als aufgestiegene Affen denn als gefallene Engel betrachten. […] In No Man’s Land sind wir die Dinosaurier.

Desmond Morris, No Man’s Land, Knesebeck Verlag 2018

STP 671 (© Henk van Rensbergen/Knesebeck Verlag)

Henk van Rensbergen schafft es mit seinen beeindruckenden, stimmungsvollen Bildern zum Nachdenken anzuregen. Er porträtiert das Ende der Menschheit.

Mehr zu Henk van Rensbergen: www.henkvanrensbergen.com

No Man’s Land – Zwischen Utopie und Wirklichkeit verlassener Orte

Henk van Rensbergen (Fotografie), Peter Verhelst
Mit einem Vorwort von Desmond Morris

aus dem Englischen von Claudia Theis-Passaro
Knesebeck Verlag 2018
192 Seiten, mit 95 farbigen Abbildungen
€ 51,80
ISBN 978-3-95728-153-1

Ein Artikel von Luise