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Eine neue, weltumkrempelnde Bucherscheinung: „Die Milch macht’s!“

Die kanadische Ernährungswissenschafterin, Alissa Hamilton, räumt mit dem herkömmlichen Wissen über Kuhmilch auf. Nicht nur das. Sie erläutert auch „wie ein Grundnahrungsmittel unsere Gesundheit ruiniert“. Schadet uns Milch also mehr als es uns die Lebensmittelindustrie glauben machen möchte? Warum konsumiert der Mensch als einziges Säugetier eigentlich sein Leben lang Milchprodukte? Diese und noch mehr Fragen und Antworten liefert dieses spannende und lesenswerte Buch, das wir euch heute vorstellen.

Die Milch macht's! ©Riemann Verlag, randomhouse.de

Die Milch macht’s! ©Riemann Verlag, randomhouse.de

Der Titel macht’s?

Die Titel der englischen („Got milk?“) sowie der deutschen („Die Milch macht’s!“) Ausgabe des Buches wurden den gleichnamigen Milch-Werbekampagnen entnommen. In diesen Kampagnen wird fast schon überbemüht vermittelt, wie wichtig Milch in unserem Leben sei und wie sehr der Körper sie brauche, um sportliche und herausfordernde Tätigkeiten zu vollbringen. (Im Anhang findet ihr diese und andere bezeichnende Werbevideos dazu.) Dass Hamilton gerade diesen Titel wählte, um dann derart mit sachlich untermauerten Argumenten und wissenschaftlichen Studien jegliche Gesundheits-Klischees über Milch wegzuwischen, wirkt in diesem Sinne doppelt auf Lesende.

Warum Milch?

Das „Todschläger“-Argument der Milchindustrie für den Konsum von Milchprodukten war bisher immer der hohe Kalziumgehalt. Dieser Argumentation folgten bisher auch die meisten Ernährungsagenturen und die Ärzteschaft. Der gesundheitliche Nutzen der Milch schien erwiesen – auch für die Konsumenten. Basierend auf der „Tatsache“, dass Milch gesund ist, wurde und wird dieses Nahrungsmittel auch in sehr viele Fertig- und Halbfertiggerichte des täglichen Konsums gemischt – seien das Milchschnitten, Müslis, Babymenüs, Schokoladen usw., selbst dort, wo man es gar nicht vermuten würde, wie in Brot und Gebäck. Die Werbebotschaft der Milchwirtschaft lautet: Wenn man Sport betreiben, stark werden oder einfach keinen Knochbruch erleiden möchte, muss man Milch trinken. Jedoch – und das wird dabei immer verschwiegen – gibt es viele Nahrungsmittel (Brokkoli, Mandeln, Chia-Samen u.a.), die einen ebenso hohen Gehalt aufweisen, dabei aber viel weniger Zucker oder gesättigte Fette beinhalten. So viele reichhaltige Inhaltsstoffe in der Milch bleiben dann nicht mehr übrig und damit auch keine gesundheitliche Rechtfertigung für ihren täglichen Konsum. Oder doch?

© icatus, flickr.com

© icatus, flickr.com

Weißes Gold

Es ist kein Geheimnis, dass mit Milch nicht gerade schlecht zu verdienen ist. Und sobald ein wirtschaftlicher Gewinn erzielt werden kann, steht meistens auch eine Lobby dahinter – so auch bei der Milch. Die Milchlobbys in den USA sowie in Deutschland oder Österreich scheuen keine Kosten und Mühen, die Milch an die Bevölkerung zu bringen. Mit Auftrags-Studien werden Fakten für den Milchkonsum bestärkt – wie etwa auf der Got milk?-Homepage nachzulesen ist.

Nach langer Zeit der unhinterfragten vermeintlichen Tatsachen kommen langsam Zweifel auf, zumal es in der wissenschaftlichen Gemeinschaft keine einheitliche, sondern eher sehr unterschiedliche Meinungen gibt, was den Nutzen des Milchkonsums anbelangt. Diese Zweifel hatte auch Alissa Hamilton, ging der Sache nach und merkte, dass sie bei Weitem nicht die einzige mit einer kritischen Ansicht ist.

Milch macht krank

Wie oben erwähnt beinhaltet Milch nicht nur Kalzium, sondern auch viel Zucker, Cholesterin, gesättigte Fette und Kalorien. Dazu kommt, dass in der konventionell hergestellten Milch Rückstände von Antibiotika oder Anabolika nicht auszuschließen sind. Diese Inhaltsstoffe sind gesundheitsgefährdend und verursachen Unverträglichkeiten und Allergien. Zusätzlich kann ein übermäßiger Konsum Herzkrankheiten oder Diabetes hervorrufen und das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen.

Der Mensch ist das einzige Säugetier, das sein Leben lang Milch (in unterschiedlichsten Formen, wie Käse, Topfen oder Joghurt) zu sich nimmt. Es wurde nachgewiesen, dass Kleinkinder gesundheitlich darunter leiden, wenn sie zu viel Kuhmilch in ihren jungen Jahren trinken. Auch Erwachsene können so etwas wie einen zu hohen (!), beziehunsweise gesundheitsschädlichen Milchkonsum haben. Die Obergrenze liegt bei 730ml pro Tag. Dies wurde in einer mehrjährigen Harvard-Studie mit 100.000 Personen nachgewiesen. Hamilton fundiert all ihre Argumente mit verschiedenen aktuellen Studien und Erkenntnissen über den Gesundheitsmythos Milch. Quasi als Konsequenz daraus liefert ihr Buch auch viele Milch-Alternativen mit Rezepten für eine gesunde, milchfreie Ernährung.

Fazit

Hamilton geht von einem ganz anderen Standpunkt aus, als er normalerweise im Veganismus üblich ist. Ernährungswissenschaftlich wird gegen den Milchkonsum argumentiert, bevor noch Tierausbeutung, Klimawandel oder die Macht der Lebensmittelindustrie nachweislich angeführt werden. Sie beginnt nämlich mit dem stärksten Argument, das es gibt und welches niemanden kalt lassen sollte: unsere Gesundheit.

Anhang

Einer der typischen Werbefilme, hier von 1988 aus Deutschland, ist hier zu sehen. Ähnliche Werbekampagnen gab es auch in Österreich.
Und hier ist eine aktuellere Kampagne der AMA (Agrarmarkt Austria). Auch der Lobbying-Riese wirbt mit gesundheitlichen Vorteilen von Milch: www.milchistwertvoll.at
Auch in den USA wird für die vermeintlichen Vorteile der Milch mit Hollywood-Aufgebot geworben: hier zu sehen.
Werbehomepage von der Kampagne „Got milk?“

Ein Artikel von Judith

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