Das Kuscheltierdrama

Viele Millionen Haustiere werden in Österreich und Deutschland gehalten. Doch nicht jeder Tierhalter informiert sich vorher ausreichend über den neuen Mitbewohner und dessen tiergerechte Haltung. Die Folgen von Unkenntnis und bestimmten Trends in der Haustierhaltung sieht dann oftmals ein Tier-Pathologe wie Prof. Achim Gruber auf seinem Seziertisch.

Im ersten Abschnitt beschreibt Prof. Gruber seine Arbeit als Tier-Pathologe, die Unterschiede zur Humanpathologie, mit welchen Aufgaben er täglich konfrontiert ist und nennt erste Fallbeispiele. Danach geht es um die forensische Tätigkeit mit etlichen Beispielen aus der Praxis, in denen er und seine Mitarbeiter zur Aufklärung von Gerichtsverfahren beitragen konnten.

Im nächsten Abschnitt werden Zoonosen erklärt, also von Mensch zu Tier und Tier zu Mensch übertragbare Krankheiten. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass der für Menschen lästige, aber harmlose Lippenherpes bei den beliebten Haustieren Chinchilla und Kaninchen eine tödliche Gehirnentzündung auslöst? Fazit dieses Kapitels: Im Umgang mit Tieren, auch mit den eigenen Haustieren, sollten Hygienemaßnahmen mit Hausverstand eingehalten werden. Wer krank ist, verzichtet zur Sicherheit seines Haustiers lieber auf Kuscheleinheiten und wer viel Kontakt mit Tieren hat, wäscht sich am besten regelmäßig die Hände.

Der größte Abschnitt des Buchs widmet sich unter dem Titel „Reinrassige Irrwege“ der Haustier- und vornehmlich der Rassehundezucht. Hier wird Prof. Gruber sehr deutlich mit Kritik an diversen Zuchtzielen und Trends in der Hundehaltung. Ausführlich beschreibt er die mit bestimmten Zuchtzielen wie z.B. Merle-Scheckung oder Brachyzephalie (Kurzköpfigkeit, u.a. typisch bei Mops und französischer Bulldogge) verknüpften Probleme für die Gesundheit der Tiere.

„Bei allen genannten Extremzuchten ist das Zuchtziel identisch mit der Ursache für Leiden, Schäden und Schmerzen sowie ein nicht mehr artgerechtes Verhalten.“

Prof. Dr. Achim Gruber

Der Autor wirft viele Fragen auf, fordert ein Umdenken in den Zuchtverbänden und Anpassungen im Tierschutzgesetz. Schlussendlich wünscht er sich von seinen Leserinnen und Lesern, „dass sich Ihr Blick vielleicht verändert und dass Sie womöglich erkennen, dass manches, was Sie für niedlich hielten, in Wirklichkeit stilles und verkanntes Leiden ist.“

Achim Gruber leitet das Institut für Tier-Pathologie und ist Forschungsdekan im Bereich Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin.

Das Kuscheltierdrama

Ein Tierpathologe über das stille Leiden der Haustiere

Prof. Dr. Achim Gruber
Droemer Knaur Verlag
312 Seiten
Hardcover € 20,60
Ebook € 14,99
ISBN: 978-3-426-27781-2

Artikel teilen:

Profilbild

Ein Artikel von Sabrina