„Bio drauf – Bio drin?“

Bio drauf - Bio drin?Was heißt „bio“ – und steckt es wirklich überall drin, wo es draufsteht? Und wie ist das mit den Antibiotika, die in der Tierhaltung eingesetzt werden und später in der Gülle, der Erde und im Gemüse landen?
Das handliche Büchlein „Bio drauf – Bio drin?“ der deutschen Journalistin Annette Sabersky klärt auf knapp 130 Seiten über Bioanbau und Bioprodukte auf – knapp, konsumentenfreundlich, übersichtlich, gut verständlich und vor allem seriös. Es bietet Orientierung, beschreibt die im deutschen Sprachraum verwendeten Labels, listet die zahlreichen, nachweislichen Vorteile von Bio-Lebensmitteln auf und schaut auch hinter die Kulissen – etwa, wenn es um fair gehandelte Produkte geht.
Denn „Fair“ bedeutet zwar bessere Arbeitsbedingungen, setzt aber keine Bio-Landwirtschaft voraus. Allerdings werden hier weniger Pestizide und keine Gentechnik eingesetzt.
Auch bei dem Label „Rainforest Alliance“, das meist Produkte wie Kaffee oder Kakao umfaßt, die oft bei Starbucks oder McDonalds zu haben sind, handelt es sich um keine strenge (Bio)Zertifizierung: Zwar müssen Umweltschutzmaßnahmen eingehalten werden, Monokultur und gifte Spritzmittel sind hingegen erlaubt. Und die im Frühsommer aus dem Nahen Osten importierten Bio-Erdäpfel werden zwar ökologisch, aber nur mit Hilfe intensivster künstlicher Bewässerung kultiviert.

Auch zu Wein ist einiges zu erfahren: Er darf seit 2012 nur dann als bio verkauft werde, wenn nicht nur die Trauben aus Öko-Anbau stammen, sondern auch bei der Produktion strenge Richtlinien eingehalten werden.
Übrigens: Wird ein Lebensmittel mit „aus kbA“ oder „biologisch“ bezeichnet, müssen 95% der Inhaltsstoffe bio-zertifiziert sein. Liegt der Anteil darunter, darf das Produkt  nicht „bio“ geannt werden.

Was Bio-Fleisch angeht, wird in dem Ratgeber deutlich mit Mythen der artgerechten Tierhaltung aufgeräumt: „Es werden immer mehr Höfe zu Agrarfabriken“, schreibt Sabersky – vor allem jene, die Discounter und große Handelsketten beliefern. Zwar gibt es gesetzliche Haltungsvorschriften, aber die Gesundheit der Tiere wird nicht kontrolliert. Zudem sind in Biobetrieben (!) pro Stall bis zu 3.000 (!) Hühner erlaubt. Bauern, die es geschickt anlegen, halten sogar bis zu 24.000 Tiere, indem sie diese auf mehrere Ställe aufteilen.

Dennoch: In „Bio drauf – Bio drin“ geht es nicht nur um Bio-Schmähs, sondern darum, die Konsumenten zu stärken, sie für Bioprodukte zu gewinnen und – sinnbildlich gesprochen –  dazu zu motivieren, die Spreu vom (Bio)Weizen zu trennen.

Annette Sabersky: Bio drauf – Bio drin? Echte Bioqualität erkennen und Biofallen vermeiden
Südwest Verlag 2013.  ISBN: 978-3-517-08859-4    8,30 Euro

Ein Artikel von Ruth