Der Wolf ist zurück! – Immer noch…

Die einen feiern seine Rückkehr. Die anderen fürchten um ihre Lebensgrundlage. Der Wolf spaltet die Geister. Naturschutz auf der einen Seite und Landwirtschaft und Jagd auf der anderen. Die Emotionen gehen hoch, auch wenn es längst nichts mehr Neues ist. Was wir brauchen ist eine sachliche Diskussion.

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Wölfe in Österreich

1882 wurde der Wolf in Österreich als ausgestorben deklariert. Danach verirrten sich immer wieder vereinzelte Wölfe nach Österreich und seit 2009 wurden vermehrt Wölfe gesichtet. 2016 gab es nach mehr als 100 Jahren den ersten Nachwuchs. Es gibt Gerüchte, dass der Wolf geheim ausgesetzt wurde, dies ist aber überhaupt nicht nötig. Einzelne Jungwölfe wandern weit und gerne auf der Suche nach neuem Territorium und einem Partner bzw. einer Partnerin. Sie können bis zu 70 km am Tag zurücklegen. nach Österreich wandern sie von den Karpaten, den Westalpen und Apenninen in Italien und aus dem Dinarischen Gebirge in Kroatien ein.

Warum den Wolf schützen?

Wölfe sind bekanntlich Topprädatoren, sie stehen an der Spitze der Nahrungskette. Ihre Anwesenheit beeinflusst die gesamte Zusammensetzung des Ökosystems, in dem er sich befindet. Er nimmt Einfluss auf die Häufigkeit und das Verhalten seiner Beutetiere. Seine Hauptnahrung sind in Österreich Hirsche, Rehe und Wildschweine, aber manchmal auch Kleinsäuger, Reptilien, Insekten, Früchte und Aas.

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Im Yellowstone-Nationalpark konnte erstaunliches beobachtet werden, nachdem die Wölfe zurückgekehrt sind: Die grasenden Tiere wurden aus den Flussniederungen vertrieben, somit hat sich das Flussufer wieder bewachsen und stabilisiert. Die Wölfe dezimieren die Kojoten, wodurch sich deren Beutetiere in den Wolfrevieren erholen können. Außerdem profitieren unzählige Tiere von den zurückgelassenen Kadavern. Österreich ist allerdings nicht Yellowstone. Wir leben in einer Kulturlandschaft, die stark von Menschen bewohnt und genutzt wird. Wölfe geraten durch ihr natürliches Verhalten in Konkurrenz zu menschlichen Landnutzungsinteressen und Gewohnheiten.

Ist der Wolf für den Menschen gefährlich?

In den letzten 50 Jahren gab es in Europa fünf Zwischenfälle mit Wölfen, die für Menschen tödlich endeten, und das bei ca. 10.000 Wölfen auf diesem Gebiet. Im Vergleich dazu sterben in Deutschland bis zu zehn Menschen jährlich durch Blitzschlag. Die meisten Angriffe geschahen durch Wölfe, die an Tollwut erkrankt waren. Wölfe sind scheue Tiere, die möglichst versuchen Menschen aus dem Weg zu gehen. Selbst wenn man einen Wolf sehen möchte, ist dies sehr schwierig, da sie sich gut verstecken können und sehr leise sind. Ansonsten gilt wie bei anderen Wildtieren: nicht anfüttern und dadurch an Menschen gewöhnen.

wolfbeimessen

Probleme der LandwirtInnen und JägerInnen mit dem Wolf

Zum einen reißen Wölfe Schafe. Sie sind leichte Beute für ihn, da sie entweder nicht weglaufen können – da eingezäunt – oder sich zum Schutz einfach nur aneinanderdrängen. Da die natürliche Beute vor dem Wolf wegläuft, reißt er auch mehr Schafe, als er vertilgen kann. Vor allem die nachhaltige Haltung auf Almen ist gefährdet, da die Tiere weit von Siedlungen exponiert grasen. Zum Schutz der Schafe können Elektrozäune und Herdenschutzhunde eingesetzt werden. Zum anderen fürchtet die Jägerschaft um ihre Abschussquote. Außerdem könnten die Wölfe das Rotwild von den ohnehin umstrittenen Futterstellen fernhalten. Allerdings zeigen Studien, dass Wölfe zu 60% alte und schwache Tiere erbeuten. Fraglich ist, ob die Jagd bei einem stabilen Wolfvorkommen noch immer naturschutzfachlich legitimierbar ist.

Schutz und Bedrohung des Wolfes

Die Schonung der Wölfe ist in den Landesjagdgesetzen verankert und die Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere führt ihn auf der Roten Liste als streng gefährdete Art. Jedoch kommt es durch die bereits oben genannten Gründe immer wieder zu illegalen Abschüssen. Die Fahndung ist schwierig, da oft größere Teile der Bevölkerung am Verschwinden des Wolfes interessiert sind. Genaue Zahlen der Abschüsse sind auch nicht bekannt – es gibt keine genauen Aufzeichnungen der Abundanz von Wölfen, vor allem aufgrund ihrer hohen Mobilität. Eines ist klar: Um Akzeptanz für den Wolf zu erlangen, dürfen LandwirtInnen nicht mit ihren Verlusten alleine gelassen werden. Es läuft bereits ein Pilotprojekt für Herdenschutz in Kals am Großglockner. Herdenschutz kostet Geld und muss subventioniert werden.

Wald

Das Beispiel aus Yellowstone – der Inbegriff der zurückgekehrten Wildnis – lässt sich natürlich nicht eins zu eins auf Österreich umlegen. Wir leben in einer Kulturlandschaft, die stark vom Menschen geprägt ist. Daher ist es schwer vorauszusehen welche Auswirkungen die Etablierung des Wolfes auf den Naturraum mit sich bringen wird. Lasst es uns doch herausfinden!

Barbara, 8. September 2017

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