Fiaker – zwischen Urlaubsidyll und Pferdealptraum

Sie gelten bei Reisenden bisweilen als Inbegriff von Romantik und sind in einigen Tourismushochburgen noch immer selbst auf vielbefahrenen Straßen zu sehen: Fiaker, also Kutschen, die von Pferden gezogen werden. Was auf einer norddeutschen Insel wie Baltrum oder Juist noch mit Notwendigkeit durch Autoverbot und tierfreundliche Arbeit für die Pferde begründet wird, dient in Städten wie Wien nurmehr der Belustigung von TouristInnen.

Fiaker Pferde

Passt das Pferd in die Innenstadt?

Ließen wir sie, würden Pferde in Gruppen zusammenleben und Tag für Tag lange Strecken grasend zurücklegen. Vor Fiaker gespannt jedoch können sie von weiten Grasflächen nur träumen und sind nicht nur Großstadtlärm, rücksichtslosen Auto- und MotorradfahrerInnen, Schmutz, Smog und extremem Wetter (wie z. B. die Hitzewelle im August 2017) hilflos ausgesetzt, sondern können auch arteigens Verhalten nicht ausleben. Statt auf weicheren Untergründen langsam zu laufen, müssen die Pferde z. B. auf hartem Straßenbelag stehend auf Kundschaft warten. Die kontinuierliche Aufnahme von trockenem Raufutter wie Heu oder Stroh ist dabei auch nicht möglich.

Als Fluchttiere würden Pferde bei drohenden Gefahren sofort weglaufen. Sind sie eingespannt, müssen die Tiere Angst, Panik und Unfälle ohne Möglichkeit zu artgemäßer Reaktion ertragen. Städte bieten zu viele Gefahren und Angstquellen, um für Pferde erträglich zu sein.

Schmerz und Tod auf der Straße

Teil der “Arbeitsbedingungen” der Pferde ist nicht nur das Stehen vor oder das Ziehen von Kutschen, sondern auch der Transport, bzw. Weg vom teilweise nicht artgemäßen Stall zum Standplatz, das An- und Abspannen, das Warten auf Wasser und Nahrung, und auch das Erdulden von Autohupen, Verkehrsabgasen, aufdringlichen Menschen, Blitzlichtern und (leider) vielem mehr.

Fiaker, Bild: Wikimedia, MrPanyGoff, CC BY-SA 3.0

Zu den Arbeitsbedingungen und den pferdefeindlichen Zuständen in den Städten kommen noch die regelmäßigen Unfälle, bei denen Tiere verletzt oder gar getötet werden. Ein Pferd hat keine Knautschzone. Wird es von einem Kraftfahrzeug angefahren, erleidet es teils tödliche Verletzungen. Ähnlich grausam sind Unfälle, bei denen verschreckte Pferde versuchen, sich von der Kutsche loszureißen und zu flüchten. Dabei verletzen sie sich, weitere Pferde und natürlich auch Menschen, die sich im oder am Fiaker befinden.

Was wird zum Schutz der Pferde getan?

Der Schutz der Tiere wird leider noch immer vermeintlichen Attraktionen und Traditionen untergeordnet. Fortschritte werden nur minimal erreicht. So hat z. B. die Stadt Wien ein “Hitzefrei” für Fiakerpferde ab 35 Grad ausgerufen. Wer einmal bei 30 Grad in der aufgeheizten Stadt auf eine sich verspätende Verabredung warten musste, weiß, wie kräftezehrend bereits das ist. Und während ein Mensch sich zur Abkühlung womöglich ein Eis oder kühles Getränk kaufen kann, können Pferde nicht einmal eine dauerhaft bereitstehende Tränke erwarten. Ansonsten sollen Fahrtenbücher, Kennzeichen und ähnliches das Los der Tiere kontrollierbar und Verstöße gegen geltende Gesetze sanktionierbar machen.

Copyright Pixabay/Stepingstars

Ein Verbot der Fiaker, zumindest in Innenstädten, wird von animal.fair und zahlreichen anderen Tierschutzorganisationen in Städten wie Wien, Salzburg, aber auch Berlin gefordert. Ein Ausweichen auf Parks würde den Pferden zahlreiche Gefahren und Schrecknisse ersparen. Um das Problem der Tourismus-Fiaker jedoch effektiv zu lösen, muss zahlungswillige Kundschaft fernbleiben. Alternativ lassen sich in vielen Städten fußläufige Stadtführungen buchen, die in Gassen vordringen können, die Fiaker nicht erreichen, Fahrradrikschas mieten, an Fahrradtouren teilnehmen oder gar Elektrokutschen chartern.

Hella, 9. August 2017

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Ein Kommentar

  1. 1

    !!!!!!! Einige Traditionen müssen und sollen aufgegeben werden.!!!!!!!

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