Das große Sterben – wo sind die Insekten hin?

Im Gras liegen, vielfältiges Summen und Brummen um uns herum – kennen wir das noch? Ist es auf der Wiese nicht deutlich stiller geworden in den letzten Jahren? Eine Untersuchung des deutschen Naturschutzbundes (NABU) bestätigt den subjektiven Eindruck vieler Menschen. Die Anzahl und Vielfalt an Fluginsekten geht rasant zurück.

af_tote Hummel_pixabay

Ehrenamtliche Mitarbeiter des Entomologischen Vereins Krefeld hatten über einen Zeitraum von mehreren Jahren an rund 90 Standorten im Bundesland Nordrhein-Westfalen in Deutschland fliegende Insekten gesammelt, bestimmt und gewogen. Der Rückgang in manchen Gebieten beläuft sich auf bis zu 80 % und sorgt für eine fehlende Nahrungsgrundlage für insektenfressende Vögel wie Schwalben oder Mauersegler. Auch Maulwürfe, Spitzmäuse, Igel und Fledermäuse leiden unter Nahrungsknappheit. Das Fehlen wichtiger Pflanzen bestäubender Insekten gefährdet somit die Nahrungskette – irgendwann auch bis zu uns Menschen.

Keine Insekten – keine Nahrung?

Dies bestätigt der Weltbiodiversitätsrat IPBES (International Science-Policy Platform on Biodiversity), ein wissenschaftliches zwischenstaatliches Gremium verwaltet vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP):
„Bestäuber leisten einen wichtigen Beitrag zur Weltnahrungsmittelproduktion und Ernährungssicherheit. Ihre Gesundheit ist direkt verbunden mit unserem eigenen Wohlergehen”, so Vera Lucia Imperatriz-Fonseca, Ph.D., Senior Professor an der Universität von São Paulo und mitverantwortlich für den IPBES-Bericht über Bestäuber, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion von 2016.

In Asien zeigt sich bereits was passiert, wenn Bienen in einem ganzen Landstrich aussterben. In einem Teil von China werden Apfelbäume mühevoll von Arbeitern mithilfe eines Pinsels von Hand bestäubt – gezeigt z.B. in der Dokumentation „More than honey“. „Pflanzenbestäuber“ – ein Job der Zukunft?

Ursachen und Auswege

Der Bericht beschreibt vielfältige Ursachen für das Insektensterben: Intensive konventionelle Landwirtschaft mit hauptsächlich Monokulturen, großflächiger Einsatz von Pestiziden, Umweltverschmutzung, invasive Arten und auch der Klimawandel.

af_Blühstreifen Quelle Wikimedia Commons Conmoto

Blühstreifen, Bild: Wikimedia Commons, Conmoto

Doch auch Lösungsansätze kommen in der Studie nicht zu kurz. Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung nachhaltiger Landwirtschaft für den Erhalt der Insektenpopulation: Fruchtfolgeprinzip und Streuobstwiesen statt Monokulturen, Reduktion von Pestiziden und Einsatz alternativer Möglichkeiten zum Schutz der Pflanzen sowie Schaffung eigener Lebensräume für Insekten, wie z.B. Blühstreifen zwischen Feldern und an Feldrändern.

Wildblumen in diesen Streifen bieten Schmetterlingen und Bienen Nahrung. Im Winter bilden die Pflanzen zwischen Schnee und Erde eine zusätzliche Isolierschicht, die im Boden überwinternde Lebewesen vor Kälte und Frost schützt. Raupen und Puppen vieler Insekten können die Hohlräume in trockenen Stängeln zum Überwintern nützen.

Nicht zuletzt tragen die im Blühstreifen lebenden Nützlinge zur biologischen Lästlingsreduzierung in den angrenzenden Feldern bei. Win-Win für Insekten und Feldbesitzer!

af_Insektenhotel pixabayJeder kann helfen!

Auch jeder Gartenbesitzer kann zum Erhalt der Insektenpopulation beitragen. Sogenannte Nützlings- oder Insektenhotels bieten Käfern, Schmetterlingen und Wildbienen geschützten Unterschlupf und ein Winterquartier. Heimische Pflanzen sollten gegenüber exotischen Zierpflanzen bevorzugt werden, um Schmetterlingen, Faltern und Bienen als Nahrung zu dienen.

Und tier- und umweltfreundliche Dünger und Pflanzenschutzmittel – zu finden in unserem Ethischen Einkaufsführer – verstehen sich von selbst! ;-)

 

 

Sabrina, 14. Juni 2017

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2 Kommentare

  1. 1

    Die Politik muss aufwachen und Gesetze schaffen für die Landwirtschaft und für die Stadtplaner damit Insektenicht und Vögel weiter leben können. In Berlin sind beim GartenbauAmt nur ungelernte Kräfte die regelmäßig Alles was blüht und Nahrung und Schutz bietet abholzT und es lange dauert bis dahin wieder was wächst. Sagt man was bekommt man blöde Antworten

  2. 2

    Und der Verbraucher ist mit Schuld, da er immer mehr und immer billigere Lebensmittel will. Und am besten immer nur die paar Sorten welchen angeboten werden.
    Keiner schert sich um Sortenvielfalt, alle wollen billig.
    Kein Wunder wenn es da nur noch Monokulturen gibt.