Die Sojabohne – Freund oder Feind einer nachhaltigen Lebensweise?

Die Sojabohne ist eine der beliebtesten Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten und wohl die Hülsenfrucht, zu der fast jeder eine Meinung hat. Trotz ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten hat die Sojabohne durch Debatten über Gentechnik und durch die damit verbundene Regenwaldabholzung teilweise ihren Ruf eingebüßt. Aber was steckt wirklich hinter dieser Bohne, die als eine der wichtigsten pflanzlichen Eiweißquellen betrachtet und gleichzeitig in großen Mengen als Tierfutter verwendet wird? Freund oder Feind, wir stellen euch im Rahmen unserer Hülsenfrüchte-Serie die wichtigsten Fakten über die Sojabohne vor.

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Sojabohnen

Allgemein Wissenswertes

Die Sojabohne ist eine sehr proteinreiche Hülsenfrucht aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (ca. 12 g Eiweiß pro 100 g gekocht) und enthält die meisten der für den Menschen essentiellen Aminosäuren. Ursprünglich wurde Soja vor allem in Ostasien angebaut und verwendet, heute wird sie global in der veganen und vegetarischen Küche als wichtiger Proteinlieferant eingesetzt. Die Geschichte der Sojabohne, wie sie nach Europa kam und dass sie heute auch ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Landwirtschaft ist, haben wir in einem früheren Artikel schon näher beleuchtet.

Der Ruf der Sojabohne ist in den letzten Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen in Verruf geraten. Bilder von Soja-Monokulturen, für die Regenwald gerodet wurde, sind sehr bekannt, ebenso die Tatsache, dass der Großteil des weltweit produzierten Sojas gentechnisch verändert ist. Soja ist ein so omnipräsentes Gesprächs- und Diskussionsthema, vor allem im Kontext von veganer Ernährung, dass wir in den letzten Jahren auch schon unterschiedliche Themen dazu hier im Blog vorgestellt haben, wie zum Beispiel die Frage “Wer (fr)isst eigentlich das ganze Soja?”.

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Sojabohnen Pflanze

Die vielfältige Verwendung der Sojabohne

Da Soja weder aus der veganen noch anderen Ernährungsformen wegzudenken ist, ist es umso wichtiger, sich beim Kauf von Sojaprodukten über deren Herstellung zu informieren. Soja ist sehr vielfältig in der Veggie-Küche einsetzbar, deshalb sollte man sicher gehen, dass man Soja(produkte) kauft, die europäisch, wenn nicht sogar österreichisch, sowie biologisch und gentechnikfrei sind. Eine Sicherstellung eines umweltfreundlichen Anbaus von Soja ist wichtig, um den ökologischen Fußabdruck der Produktion dieser Hülsenfrucht möglichst klein zu halten. Der Kauf von österreichischen Sojabohnen und der daraus gewonnenen Produkten trägt überdies dazu bei, den Weg, den das Essen zurücklegt bis es auf dem eigenen Teller liegt, möglichst kurz zu halten.

Die vielfältige Verwendung von Soja möchten wir euch jetzt kurz vorstellen:

Sojamilch: Trotz eines vielfältigen Angebots an pflanzlichen Milchdrinks ist und bleibt Sojamilch wohl der bekannteste und beliebteste Kuhmilchersatz.

Tofu: Tofu wird aus den geronnenen Eiweißbestandteilen der Sojamilch hergestellt. Tofu schmeckt neutral und ist deswegen vielfältig beim Kochen einsetzbar. Eine besondere Art von frischem Tofu ist Seidentofu, der sehr zart ist und dessen Konsistenz sich ideal für Süßspeisen oder Saucen eignet.
Tofu und Sojamilch kann man auch selbst herstellen, um so Plastikverpackungen zu vermeiden – wie das funktioniert, könnt ihr hier nachlesen.

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Tempeh

Tempeh: Tempeh ist ein Fermentationsprodukt aus Sojabohnen und ist deshalb besonders gesund. Tempeh kann in würzigen Soßen mariniert werden und hat eine feste, aber zarte Struktur.

Frische Sojabohnen (Edamame): Edamame ist die japanische Bezeichnung für frische Sojabohnen. Die Bohnen werden hierfür unreif mit den Schoten geerntet, wobei die Schoten nicht essbar sind. Die Bohnen werden in etwas Salzwasser gekocht und sind eine leckere und gesunde Snackalternative. Edamame ist häufig in Asia-Läden zu finden, bei denn’s gibt es auch tiefgekühlte Edamame, die wie Erbsen zu verwenden sind. Teilweise wird Edamame auch im Glas angeboten, zum Beispiel von der Marke Lima.

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Edamame

Die Problematik von Soja(anbau)

Obwohl Soja eine der meistangebauten Kulturpflanzen weltweit ist, werden circa 3/4 der Bohnen an Tiere verfüttert und die Nachfrage wird auch weiterhin steigen, da die weltweite Tendenz zu einem höheren Fleischkonsum neigt. Die FAO (Food and Agriculture Organization of the UN) sagt sogar vorher, dass sich der Sojabedarf bis 2050 noch verdoppeln wird. Ein Grund, warum Soja mittlerweile so häufig als Tierfutter verwendet wird, liegt in der BSE-Krise Anfang des 21. Jahrhunderts. Damals wurde die Verfütterung von Tiermehl an Nutztiere verboten, wodurch die Nachfrage nach dieser Eiweißquelle extrem anstieg. Laut einem 2016 veröffentlichtem Bericht des WWF, “Soy Scorecard – Assessing the use of responsible soy for animal feed”, konsumiert der durchschnittliche Europäer 61 kg Soja pro Jahr, wobei der Großteil durch den Verzehr von Fleisch entsteht.

Ein großes Problem des Massenanbaus von Soja ist der hohe Einsatz von unterschiedlichen Ressourcen, wie Wasser, Energie, Chemikalien (wenn nicht biologisch angebaut) und Ackerboden. Obwohl zum Beispiel der Wasserbedarf von Region zu Region sehr unterschiedlich ist, werden durchschnittlich 9.500 Liter Wasser benötigt, um eine Tonne Sojabohnen zu produzieren und 297 Liter Wasser, um einen Liter Sojamilch zu erhalten. Trotzdem liegt der Wasserverbrauch von Soja ca. 28 % unter dem von Milchprodukten. Außerdem wird Soja häufig in Monokulturen angebaut, was zu einem höheren Einsatz von Chemikalien und der Entstehung und Ausbreitung verschiedener Schädlinge führt.

Laut WWF wird in Zukunft der Anbau von Sojabohnen auch besonders vom Klimawandel betroffen sein und Gebiete, in denen im Moment Soja angebaut wird, könnten bis 2070 durch erhöhte Temperaturen und extremere Wetterphänomene, aber auch durch Wasserknappheit, ca. 60 %  ihrer Anbauflächen verlieren.

Als Konsumenten haben wir jedoch die Möglichkeit, durch die Auswahl von regionalen Bioprodukten zur Nachhaltigkeit der Sojabohne beizutragen, um so einen wichtigen und wertvollen Beitrag gegen den Klimawandel und weitere Umweltzerstörung zu leisten.

 

Dieser Artikel ist der 6. Teil unserer Hülsenfrüchte-Serie anlässlich des Internationalen Jahrs der Hülsenfrüchte.

Yvonne, 7. September 2016

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