Info: Fleisch und Milch heizen das Klima auf

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Brennstoff für die Erderwärmung

Fleisch zu essen ist noch immer populär. Statistiken variieren stark, es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass in Österreich etwa 65 kg Fleisch pro Kopf und Jahr konsumiert werden, in Deutschland zwischen 60 und 90 kg, in den USA über 120 kg, während in Indien nur etwa 5 kg pro Kopf und Jahr verzehrt werden. Weltweit landen jährlich mehr als 53 Milliarden (!) Landtiere auf der Schlachtbank. Dass Fleischkonsum und Klimawandel in direktem Zusammenhang stehen, wird gerne übersehen. Die Nutztierhaltung hat gravierende und schädliche Auswirkungen auf die Umwelt.

Wie hängen Menschen, Nutztiere, die Umwelt und Klimaveränderungen zusammen?

Die Weltbevölkerung wächst rasant – jährlich müssen etwa 30 Millionen Menschen mehr ernährt werden. Deshalb ist das Ernährungsverhalten jedes und jeder einzelnen von Bedeutung. Denn die Art, wie wir uns ernähren, hat direkte Auswirkungen auf die Umwelt, die biologische Vielfalt und das Klima. Der Fleischatlas 2014 – ein Kooperationsprojekt der Heinrich-Böll-Stiftung, des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland und Le Monde diplomatique – deklariert daher: „Ernährung ist nicht nur Privatsache.“ Besonders negative Auswirkungen hat die Nutztierhaltung und die damit einhergehende Fleisch- und Milchproduktion. Sie beeinflussen den Treibhauseffekt, den Wasserverbrauch, die Bodenqualität und die Regenwaldbestände. Laut einer Studie der Welternährungsorganisation FAO aus dem Jahr 2006 produziert die weltweite Nutztierhaltung rund 18% der globalen Treibhausgasemissionen. Vor allem die Treibhausgase Methan, Kohlendioxid und Distickstoffoxid (Lachgas) sind Nebenprodukte der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Die meisten Emissionen entfallen dabei auf Stickstoffdüngung gefolgt von der mikrobiellen Verdauung der Rinder und der Verbrennung von Biomasse. Auch aus Tierexkrementen, durch Düngerproduktion, die Verwendung von Landmaschinen und die Bewässerung entstehen Treibhausgase (Schlatzer 2010: 59).

Die Fleischerzeugung vertilgt unglaubliche Wassermengen

Laut Welthungerhilfe haben aktuell rund 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Im vergangenen Jahrhundert hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht, der Wasserverbrauch jedoch versechsfacht – in mehr als 30 Ländern herrscht inzwischen akuter Wassermangel. Der weltweite Durchschnitt an Wasserverbrauch  zur Nahrungsherstellung liegt etwa bei 1200 mpro Person und Jahr, bei fleisch- und milchbasierter Ernährung in den wohlhabendsten Regionen bei bis zu 1.800 m3. Eine vegane Ernährungsweise braucht nur etwa 650 m3 Wasser pro Person und Jahr. Laut FAO ist die zunehmende Tierhaltung ein Schlüsselfaktor für den steigenden Wasserbedarf. Eine Person in einem Industrieland trinkt etwa 2 bis 5 Liter Wasser, für die Tätigkeiten im Haushalt, wie duschen oder waschen benötigt sie 100 bis 500 Liter. Auf die Herstellung der Nahrungsmittel einer Durchschnittsfamilie entfallen pro Tag 2.000 bis 5.000 Liter Wasser. Um ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, benötigt man hingegen bis zu 16.000 Liter Wasser. Das Wasser dient der Bewässerung der Futtermittel und der Grasproduktion, als Trinkwasser sowie zur Reinigung der Tiere und für die Schlachtung (Info Dossier Tier-im-Fokus 2009: 5f, SSV 2011: 3-5).

Das Potential pflanzlicher Ernährung

Die Futtermittelproduktion steht in direkter Konkurrenz zu pflanzlichen Lebensmitteln für den menschlichen Konsum. Für 1 kg Fleisch werden 7 bis 16 kg Getreide bzw. Soja benötigt. Würden z.B. die US-AmerikanerInnen, die 80% des Getreides an Schlachtvieh verfüttern, nur 10% weniger Fleisch essen, so könnte man mit dem dadurch eingesparten Getreide rund eine Milliarde Menschen vor dem Hungertod bewahren. In den USA werden 230.000 km2 Land zur Produktion von Heu für Nutztiere beansprucht, aber nur 16.000 km2 zur Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel (SSV 2011: 3-5).

Waldflächen weltweit schrumpfen in rasantem Tempo, vor allem auf Grund der Ausweitung der Tierproduktion. Je weniger fruchtbar das Land wird, desto mehr Waldgebiete werden gerodet. Zwischen 1990 und 2006 hat sich die Anzahl der Rinder im Amazonasgebiet mehr als verdoppelt und sich die Anbaufläche von Soja vervierfacht. Auch die Schweine- und Geflügelzucht verwendet einen großen Teil der Sojafuttermittel im Amazonasgebiet und ist daher ebenso von Bedeutung (Schlatzer 2010: 104-113). Mit dem riesigen Ausmaß des Futtermittelanbaus geht auch der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden einher. Die Gifte gelangen ins Wasser und schädigen die Böden. Zudem führt der Anbau von Monokulturen zur Verminderung der Artenvielfalt. Ein weiteres Kapitel ist das sogenannte Land Grabbing, das vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika großflächig betrieben wird: Internationale Konzerne kaufen fruchtbares Ackerland, um Tierfutter (oder Biotreibstoff) anzubauen. Grund und Böden werden der lokalen Bevölkerung quasi unter den Füßen weggezogen und ihnen die Möglichkeit zur Selbstversorgung genommen.

Der Ernährungswissenschaftler und Autor Martin Schlatzer sieht eine Reduktion des Rindfleischkonsums als notwendig, um zukünftige Entwaldungen zu vermeiden, die Artenvielfalt zu schützen, regionale Wasserkreisläufe aufrecht zu erhalten und CO2 Speicher zu erhalten. Neben den Rodungen gilt die Stickstoffübersättigung als hauptverantwortlich für das Waldsterben. Zu etwa zwei Drittel wird sie durch Emissionen aus der Tierhaltung in Form von Ammoniak (NH3) aus Jauche und Mist verursacht (SSV 2011: 6)

Fazit

Eine vegetarische oder vegane Ernährung kann wichtige Wasserressourcen einsparen und dem negativen Trend der Wasserknappheit gegensteuern. Mehr Fläche zum Anbau von Getreide, Gemüse oder Obst stünde für die menschliche Ernährung zur Verfügung. Wälder, die wertvolle CO2 Speicher sind, könnten aufgeforstet werden und die Regenwaldzerstörung gestoppt werden.

Die Zahl der Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren stieg in den letzten Jahren stark an und liegt in Österreich und Deutschland bei etwa neun Prozent. Laut dem deutschen Vegetarierbund würde ein fleischfreier Tag in der Woche (bezogen auf Deutschland) dazu führen, dass pro Jahr 140 Millionen (!) Tiere weniger getötet würden und zusätzlich Treibhausgase eingespart werden könnten.

Quellen:

Schlatzer, Martin (2010): Tierproduktion und Klimawandel. Ein wissenschaftlicher Diskurs zum Einfluss der Ernährung auf Umwelt und Klima. Wien/ Berlin: LIT Verlag

SSV (Schweizer Vereinigung für Vegetarismus) (2011): Ökologische Folgen des Fleischkonsums. Winterthur: SSV

tier-im-fokus.ch (2009): Info-Dossier Nr. 4 2009, Nutztiere und Klimawandel. Bern