Bilder- und Kinderbücher von Schlunz

Wuschel im WaldMit Wuschel hat der Illustrator, Graphiker und Kinderbuchautor Schlunz einen aufgeweckten Helden erfunden, der mit viel Einfühlungsvermögen seinem jungen Publikum Ethik und Mitgefühl nahebringt. Ohne erhobenem Zeigefinger wirft er Fragen auf, die zum Nachdenken und vielleicht zum Umdenken motivieren.

Wuschel ist ein Bärenkind mit einer pinkfarbenen Punkfrisur und einer getupften Latzhose. Im ersten Band „Wuschel im Wald“ geht es darum, Gewohntes, von Generation zu Generation Tradiertes zu hinterfragen. „Ich bin ein Bär und Bären fangen nun mal Fische“, sagt sich Wuschel und bedroht damit das Leben des alten Karpfen im Teich. Dass er der letzte Fisch in diesem Gewässer ist, wie Wuschel von einer schielenden Heuschrecke erfährt, ist ihm egal. Bären fangen nun mal Fische und Elstern stehlen nun mal glänzende Dinge wie das hübsche Amulett von Wuschel, das ihm seine Mutter geschenkt hat.
Es sind schließlich zwei Menschenkinder, die den im Wald verirrten Wuschel nicht nur zu seinem Zuhause und seiner Mama zurück, sondern auch zum Nachdenken bringen: Moderne Bären müssen keine Fische fangen!

Wuschel lässt die Sau rausIm zweiten Band „Wuschel lässt die Sau raus“ (wie alle Wuschel-Bücher für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren empfohlen) erfahren wir, dass der im ersten Buch verschonte alte Karpfen inzwischen Wuschels Freund geworden ist, den er jeden Sonntag am frühen Morgen besucht.
Diesmal aber wird der kleine Bär von seinem Besuch abgehalten: Er verfolgt eine unangenehme, an Toiletten erinnernde Geruchsspur und landet auf einem Bauernhof. Hinter einer Stalltür entdeckt er ein ihm unbekanntes Wesen – ein Schwein – und eine ihm unbekannte Realität – jene der Nutztiere.
Als Wuschel die Tür öffnet, fliehen er und Sau Rosa vom Hof.
Mit ihrer Freiheit gelangt Rosa in eine Zauberwelt mit frischer Waldluft, Sonnenlicht und wunderschönen Bäumen. Sie entdeckt zum ersten Mal die Glückseligkeit eines Bades im Teich. Wuschel, der seine neue Freundin nicht mehr missen möchte, bittet Mama Bär, dass die Sau bei ihnen wohnen bleiben darf.
Ein Höhepunkt des Buches ist, wenn wenn wir miterleben, wie bewegungsfreudig Schweine, die unsere Landwirtschaft zur Bewegungslosigkeit verdammt, sind. Ein weiterer, wenn Wuschel erkennt, dass es ihm so gut geht, weil es Rosa gut geht.

Wuschel in der SchuleDie Schule und andersdenkende, sich anders ernährende Schulfreunde stehen im Mittelpunkt des dritten Bandes: Wuschel in der Schule. Auch schon im Kindesalter tauchen ethischen Fragen auf. Ist es ein Widerspruch, wenn man in der Pause ein Brot mit Hühnerfleisch isst und wenig später einen aus dem Nest gefallenen jungen Vogel unbedingt retten will? An sich eine spannende Frage, verglichen aber mit den ersten beiden Wuschel-Bänden fehlt dieser Geschichte ein bisschen die erzählerische  Tiefe, die subtilere Ausarbeitung der Charaktere.

 

Ulrike die hässliche Kuh„Ulrike die hässliche Kuh“ ist ein weiteres von Schlunz geschriebenes und gezeichnetes Kinderbuch. Dumme Gans, blöde Ziege, hässliche Kuh, faule Sau – wie oft verwenden wir Tiernamen, um damit andere Menschen zu diskreditieren.
Auch im Umfeld des Mädchens Ulrike mit ihren roten Zottelhaaren und einer monströsen Zahnspange ist das gang und gäbe. Von zwei Mitschülerinnen wird sie eben hässliche Kuh genannt. Ulrike revanchiert sich – ebenso mit tierischen Schimpfnamen.
Die von Schlunz wieder toll gezeichnete Geschichte, in der jedes Detail liebevoll ausgearbeitet ist, regt an, darüber nachzudenken, ob wir nicht mit abwertenden tierischen Bezeichnungen unbewusst unsere Haltung beeinflussen und letztlich damit auch eine Wirklichkeit schaffen, in der Tieren nichts anderes übrig bleibt, als etwa in einer engen Box „faul“ herumzuliegen.

Zum Autor: Schlunz ist ein im besten Sinne Selfmademan. Er schreibt über sich, dass er sich in seiner chaotischen Kindheit in Berlin selbst das Zeichnen und Malen beigebracht und in der Schule erste Comic-Strips verkauft habe. Heute arbeitet er als Graphiker, macht Merchandising für Musikbands (u.a. „Die Ärzte“) oder PC-Spiele. Seit elf Jahren lebt er vegan, produziert Tierrechts-Illustrationen und -Comics und es wird wohl seine Tochter gewesen sein, die ihn zum Schreiben und Illustrieren von Kinderbüchern animiert hat.

Die geschenkte FreiheitEin weiteres empfehlenswertes Buch hat Schlunz illustriert. Autorin ist Katja Kaminski, Punk-Veganköchin und Kochbuchautorin. Die zweifache Mutter thematisiert in dem stabilen Karton-Bilderbuch „Die geschenkte Freiheit“ das Recht von Nutztieren, in Würde zu leben.
Milchkuh Lotti wird eines Nachts im wahrsten Sinne des Wortes wachgeküsst: Ein Unbekannter berührt sie so zärtlich, wie sie es noch nie erfahren hat, und küsst sie auf die Stirn. Als er geht, lässt er hinter sich das Gatter offen.

Lotti gerät in einen Gewissenskonflikt und muss allen Mut aufbringen, um den Schritt in die Freiheit zu wagen. Auf ihrem Weg nimmt sie ihr jüngstes Kalb mit, das Bauer Heine, wie alle davor, gleich nach der Geburt weggebracht hat. Auch drei Hühner, zwei Kaninchen und ein Schwein folgen ihr in die Freiheit.
Zum ersten Mal kann das Kälbchen Luna bei seiner Mutter trinken, zum ersten Mal sehen die Tiere grüne Wiesen, kosten Blumen am Wegesrand und das erfrischende Bad in einem Bach.

„Die Freiheit schmeckt gut“ sagt Lotti. Am Ende gelangen die Tiere auf den Lebenshof von Lea, wo alle Tiere frei auf den Weiden und Wiesen leben können und wo auch sie ihr neues Zuhause finden.

Die Geschichte erinnert an die unzähligen Fälle, wo einzelne Tiere ausgebüchst, vor dem Schlachter davongelaufen oder vom Tiertransport entkommen sind. Bekanntes Beispiel war die Kuh Yvonne in Bayern, die in den Wald ausgerissen war, sich dort versteckte und drei Monate lang nicht wieder eingefangen werden konnte. Wegen des großen Medieninteresses und der allgemeinen Sympathie musste sie das Schicksal ihrer Artgenossinnen nicht mehr teilen und wurde auf Gut Aiderbichl gebracht.
Ähnliches Glück hatte eine Milchkuh in Norddeutschland, die hochschwanger auf den benachbarten Hof Butenland entkam, wo sie ihr Kalb Mattis gebären und behalten durfte.

Im Nachwort verweisen die Autoren auch auf den Butenlandhof, das sogenannte Kuhaltersheim, wo nicht nur ausrangierte Milchkühe, sondern auch Schweine aus dem Versuchslabor, Hühner aus der Massentierhaltung und viele andere Tiere ein liebevolles und friedliches Zuhause gefunden haben. (ps)

von Schlunz sind erschienen:
Wuschel im Wald
Verlag epubli, 2013, 16,50 € (In der Detail-Vorschau auf der epubli-Homepage kann das Buch im kleinen Fenster online gelesen werden.)

Wuschel lässt die Sau raus
Verlag epubli, 2013, 16 € (In der Detail-Vorschau auf der epubli-Homepage kann das Buch im kleinen Fenster online gelesen werden.)

Wuschel in der Schule
Verlag epubli, 2013, 16 € (In der Detail-Vorschau auf der epubli-Homepage kann das Buch im kleinen Fenster online gelesen werden.)

Ulrike die hässliche Kuh
Verlag epubli, 2013, 11 € (In der Detail-Vorschau auf der epubli-Homepage kann das Buch im kleinen Fenster online gelesen werden.)

von Schlunz (Illustrationen) und Katia Kaminski: Die geschenkte Freiheit
Verlag Fair-Antispe-Fashion, 2012, ISBN: 978-3000367755, 15 €

http://schlunz-extra.blogspot.de

Petra, 12. August 2013

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