Info: Lästlinge vergrämen – nicht töten

Auch ein Geschöpf dieser Erde

Auch ein Geschöpf dieser Erde

Wer die Natur ganzheitlich betrachtet, wird auch jenen Lebewesen ein Existenzrecht zugestehen, die er oder sie eigentlich nicht im eigenen Garten sehen will. Die Kategorisierung als Schädling ist vom Menschen getroffen. Auch eine Nacktschnecke ist ein Lebewesen dieser Erde. Ja, sie kann dem Menschen lästig werden, wenn sie die Salatköpfe löchrig frisst. Und wir können sie in dem Zusammenhang als „Lästling“ bezeichnen. Entscheidend ist aber, wie wir mit diesem Lästling, den wir ja loswerden wollen, umgehen. Anstatt sie mit der Gartenschere mitten entzwei zu schneiden oder Schneckenkorn zu streuen, an dem die Tiere langsam und qualvoll sterben, gibt es einen faireren Weg, den Tieren zu signalisieren, dass man auf ihre Gegenwart gerne verzichten würde. Schnecken und andere Lästlinge sollten nicht getötet, sondern vergrämt (ferngehalten oder vertrieben) werden:

Vorsorge mit gesunden Pflanzen und gesundem Boden

Wie so oft ist auch hier die beste Methode Vorbeugung. Ihr Garten sollte weitgehend ökologisch und biologisch angelegt sein. Verzichten Sie auf einseitige Bepflanzung, fördern Sie Vielfalt und lassen Sie auch das eine oder andere Beikraut (wir sprechen bewusst nicht von Unkraut) stehen. „Räumen“ Sie die Natur nicht aus, sodass sie eigentlich nur mehr ein künstlich geschaffener Raum mit ein paar zugelassenen Pflanzenarten ist, sondern treten Sie in Kontakt mit dem, was Natur wirklich ist: ein bunter und vielfältiger Lebensraum für viele Lebewesen. Verwenden Sie keine Gifte, keine synthetischen Düngemittel oder Pestizide. Fördern Sie die Bodengesundheit mit Kompost und gegebenenfalls mit effektiven Mikroorganismen. Und fördern Sie Nützlinge in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon. Dazu kann man ein Nützlingshotel aufhängen, ein Igelhaus aufstellen und vieles mehr, oder etwa auch eine Nutzinsektenweide anlegen, die erwünschte Insekten anlockt. Diese wiederum halten dann Blattläuse und Co. in Schach.

Schnecken abwehren

Bestens eignen sich hier Schneckenzäune, mit denen ein Beet umrahmt werden kann. Auch Hochbeete halten Nacktschnecken etwas ab, zur sicheren Abwehr können auch hier rundherum eigene Leisten angebracht werden. Auch Kupferfolien oder Schneckenringe können verwendet werden. Eine weitere Möglichkeit sind Nützlinge. So kann ein Igelquartier im Garten aufgestellt werden, da sich Igel von Nackt- und Hausschnecken, aber auch von Larven und Insekten ernähren. Auch Laufenten fressen gerne Schnecken, man sollte sie allerdings nur halten, wenn man den Tieren übers Jahr in der Gruppe ein wirklich artgemäßes und schönes Leben gewährleisten kann. Ansonsten sind auch Spitzmäuse, Maulwürfe, Vögel, Frösche, Kröten sowie Glühwürmchenlarven und verschiedene Laufkäferarten natürliche Fressfeinde von Schnecken oder deren Eiern. Darüber hinaus gibt es auch tabakhaltige Pulver, denen Schnecken ausweichen. Wir haben auch von einem Vorschlag gehört, der verrückt klingen mag, aber funktionieren soll: Schnecken einsammeln und an einem ca. 5 km entfernten Ort (Wiese oder Wald) wieder aussetzen. Grundsätzlich gilt aber auch für das „Problem“ Nacktschnecken, dass Vorbeugen eines der besten Abwehrmittel ist: Ein gesunder Boden, möglichst viele verschiedene Pflanzenarten und eine Kolonie von Regenwürmern verderben Nacktschnecken gewöhnlich den Appetit und lassen sie woanders ihre Nahrung suchen.

Revier bereits besetzt

Wer im Sommer von Wespen heimgesucht wird, kann einen sogenannten Waspinator aufhängen. Dieses textile Gebilde imitiert ein Wespennest und signalisiert den Wespen, dass dieses Territorium nicht mehr frei ist. (Erhältlich ist der Waspinator etwa bei bio-garten oder biohelp) Wenn sich Spinnen, Fliegen, Käfer oder anderes Getier in Haus oder Wohnung verirrt haben, muss man sie auch nicht mit der Fliegenklatsche erschlagen oder giftige Substanzen und Insektizide versprühen. Viel humaner ist es, die Tiere mit einem Gerät namens Snapy vorsichtig einzufangen und ins Freie zu befördern. Das funktioniert auch mit einer Insektenglocke oder natürlich nach der bekannten Methode mit Glas und einem Stück Papier oder Karton. Auch Wühlmäuse müssen nicht getötet werden, sondern können mit einem speziellen Gitter unter dem Beet ferngehalten werden.

Wenn es Ameisen „stinkt“

Wenn Ameisen überhand nehmen, kann man ein Streupulver mit Pflanzenduftstoffen und Gesteinsmehlen ausbringen, dass Ameisen meiden. Auch Mischungen bestimmter ätherischer Öle halten Ameisen zuverlässig fern. Oder: Außerhalb des Hauses kann ein Ameisenvolk komplett umgesiedelt werden: Einfach einen Blumentopf mit Holzwolle füllen und diesen umgekehrt auf das Nest stellen. Wenn die Ameisen umgezogen sind, den Topf mit einem Spaten aufnehmen und an einen neuen Ort setzen.

Nützlingstourismus

So wie gegen jede Krankheit ein Kraut wächst, gibt es gegen jeden Lästling eine eigene Art von Nützling. Marienkäfer etwa verspeisen Blattläuse, Fledermäuse lieben Gelsen, Igel sind wie bereits erwähnt die natürlichen Fressfeinde von Schnecken, Florfliegen fressen Thripse, Schild- und Blattläuse, Frösche und Kröten nicht nur Fliegen, sondern auch Schnecken. Für alle diese Tiere gibt es sogenannte Nützlingshotels, die man im Garten aufstellen, auf Balkon oder Terrasse aufhängen kann. Diese Quartiere bieten einer oder mehreren Nützlingsarten Unterschlupf oder Unterkunft an. Wir sollten die Nützlingshotels aber nicht nur aus egoistischen Gründen aufstellen. Viele Tierarten, ob Bienen oder Fledermäuse sind durch die Naturzerstörungen, den um sich greifenden Siedlungs- und Ackerbau bedroht. Mit Nützlingshotels können wir ihre Chance zu überleben erhöhen. Hersteller von Nützlingshotels finden Sie auf unserer Seite unter der Kategorie „Nützlinge und Lästlinge“ sowie hier.

Weiterführende Infos

Wir können hier natürlich nur einige Beispiele und Anregungen anführen. Es gibt viele Arten von Lästlingen und darüber hinaus auch noch Pilze und Krankheiten, die Pflanzen bedrohen können. Bei den von uns in den Kategorien „Nützlinge und Lästlinge“ angeführten Firmen finden Sie Rat und Hilfe. Viele hilfreiche Informationen finden Sie auch auf den Seiten der umweltberatung, hier gibt es etwa auch eine Videoanleitung, wie man selber ein Nützlingshotel bauen kann: www.youtube.com

 

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