animal.fair berichtet: Kosmetik-Tierversuche in EU verboten

Heute tritt in der Europäischen Union die letzte Stufe des Ausstiegs aus den Tierversuchen für Kosmetika in Kraft. Ab jetzt dürfen in der EU weder kosmetische Endprodukte noch Kosmetik-Rohstoffe an Tieren getestet werden. Auch die drei Giftigkeitstests (chronischer Toxizitätstest, Reproduktionstoxizitätstest, Toxikokinetiktest), für die eine Ausnahmeregelung gegolten hat, sind ab heute verboten. Und besonders wichtig: Auch die Einfuhr tiergetesteter Produkte und Inhaltsstoffe aus Nicht-EU-Ländern ist untersagt. Damit wird verhindert, dass Konzerne Tierversuche einfach außerhalb der EU durchführen lassen.
Das Kosmetik-Tierversuchsverbot ist ein riesiger Erfolg für Tierschutzorganisationen und Tierversuchsgegner, die seit Jahrzehnten dafür gekämpft haben, allen voran die ECEAE, die Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen. Die Industrie ist nun gezwungen, auf tierversuchsfreie Testmethoden umzusteigen. Bei aller Freude sollten wir beim Kosmetikkauf weiterhin einiges beachten, um Tiere zu schützen. Außerdem werden in anderen Bereichen (Chemikalien, Medizin, Grundlagenforschung, Militär usw.) leider statt weniger immer mehr Tierversuche durchgeführt.

Der Reihe nach:
• In der Kosmetik ist es weiterhin wichtig, auf Siegel zu achten, die Tierversuche ausschließen, das sind das IHTK-Siegel und das Leaping Bunny-Siegel. Denn – und das muss als Lücke des EU-Tierversuchsverbots für Kosmetika gesehen werden – viele Rohstoffe können “aus medizinischem Interesse” oder im Rahmen der Chemikalien-Verordnung REACH an Tieren getestet und dann in der Kosmetik eingesetzt werden.

• Weiters gilt das Verbot nur für Neuzulassungen von Produkten ab heute. Ausserdem müssen die Verbote in den einzelnen EU-Ländern erst durchgesetzt und kontrolliert werden. Und wir wissen noch nicht, wie lückenlos und ernsthaft das umgesetzt werden wird.

• Und schließlich bedeuten tierliche Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten auch Tierqual. Das reicht von den Schlachtabfällen, die als billiges Fett in den meisten konventionellen Kosmetikprodukten eingesetzt werden bis zum Lanolin (Wollfett), das über Rohstoffhändler bezogen wird und meist von den furchtbar misshandelten Schafen Australiens stammt. (Den Schafen werden im Zuge des “Mulesings” Schwanz und ein tellergroßes Stück Fleisch herausgeschnitten – ohne Narkose.) Deshalb empfiehlt animal.fair, nur vegane Kosmetikprodukte zu kaufen, die möglichst auch nur pflanzliche Zutaten aus Bioanbau enthält. Die Liste der von uns empfohlenen Marken und Bezugsquellen findet Ihr hier.

• Weltweit steigt die Zahl der Tierversuche: für die medizinische Forschung, Grundlagenforschung, Testung von Chemikalien, für Ausbildungszwecke (Medizin- und Veterinärstudium) und für militärische Versuche. Dahinter steht eine riesige Industrie (bis hin zu Zuchtbetrieben für Versuchstiere und Herstellern von Apparaturen, Käfigen und Geräten, in denen die Tiere fixiert werden). Und das, obwohl es inzwischen für die meisten Tests ausreichende Ersatzmethoden gibt. In der öffentlichen Diskussion werden Tierversuche meist für medizinische Zwecke als “notwendiges Übel” gerechtfertigt. Aber sind sie tatsächlich ein notwendiges Übel? Wie gut sind Tests an gestressten, gequälten und unter Schmerzen leidenden Tieren tatsächlich auf den Menschen übertragbar? Nicht umsonst wenden sich immer mehr Wissenschafter und Mediziner gegen die Steinzeitmethode Tierversuch. Viele interessante Informationen finden Sie auf der Homepage der Ärzte gegen Tierversuchewww.aerzte-gegen-tierversuche.de

• Last but not least möchten wir Euch noch einmal auf die Europäische Bürgerinitiative für einen Ausstieg aus einer Forschung, die an Tieren Experimente durchführt, aufmerksam machen. Wenn 1 Million EU-Bürger die Bürgerinitiative unterschreiben, muss sich die EU-Kommission mit diesem Thema befassen – eine echte Chance! Das Formular kann online ausgefüllt werden (mit Reisepass-Nummer), das Prozedere dauert höchstens 5 Minuten. Alle Details dazu hier, und hier geht es direkt zur Unterschrift auf der Seite der EU-Kommission: https://ec.europa.eu/citizens-initiative/ECI-2012-000007/public/

Wir bedanken uns bei Romana Rathmanner vom Internationalen Bund der Tierversuchsgegner für ihren Expertenrat. (p)

Petra, 11. März 2013

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