
Mutter-Kind-Bindung
Hand aufs Herz, glauben Sie vielleicht auch, wie ein Großteil der Bevölkerung, dass man eine Kuh nur auf die Weide zu stellen braucht, und schon gibt sie Milch. Sie brauchen sich dafür nicht zu schämen – Landwirtschaftsindustrie und Werbung haben in den vergangenen Jahrzehnten ganze Arbeit geleistet und aus dem Bewusstsein der meisten Menschen das Wissen verdrängt, wie Kuhmilch eigentlich “gewonnen” wird. Es ist die Entscheidung von jedem einzelnen von uns, ob wir Milchprodukte essen oder nicht. Aber wenigstens die Fakten sollte jede/r aufgeklärte BürgerIn unserer Meinung nach kennen. Und so wird Milch “gewonnen”:
Kälber würden Kuhmilch trinken…
So hat es die Natur vorgesehen. Kühe können nur dann Milch geben, wenn sie zuvor ein Kalb geboren haben. Um den Prozess der Milchgewinnung zu sichern, werden in der landwirtschaftlichen Praxis die Tiere regelmäßig und fast immer künstlich befruchtet. Für den Aufbau einer natürlichen Mutter-Kind-Bindung ist in der Massenproduktion weder Raum noch Zeit und so werden die neugeborenen Kälber noch am Tag der Geburt, spätestens aber nach vier Tagen, von den Muttertieren getrennt. Die Mutterkühe suchen ihr Kleines, rufen tagelang nach ihm. Vergebens, sie werden ihr Kalb nie wieder sehen.
…wenn man sie ließe
Und auf Kalb wartet die Einzelbox. Dort müssen alle Kälber ihre ersten 2 Lebensmonate verbringen – ohne jeglichen Körperkontakt, Liebkosungen und Nähe. In der Box ist Bewegung eingeschränkt: aufstehen, hinlegen. Etwas mehr Platz haben Kälber in sogenannten Kälberiglus. Nach österreichischem Gesetz müssten die Kälber nach den 2 Monaten in der Gruppe gehalten werden. Da es aber zahlreiche Ausnahmeregelungen gibt, bleiben viele Kälber auch danach noch in Einzelboxen. Die für sie bestimmte Muttermilch der Kuh, zweigt der Mensch für sich ab. Nur 9% der eigenen Muttermilch erhalten die Kälber, der benötigte Rest wird durch Milchaustauscher gedeckt. Man lässt sie durch künstliches Futter (ohne Heu, dass sie normalerweise schon fressen würden) bewusst anämisch (blutarm) werden. Weil so das Fleisch künstlich hell gehalten werden kann. Weiß der Himmel, wie es dazu kam, dass Konsumenten das schlecht durchblutete Fleisch eines kranken Kälbchens dem roten eines gesunden vorziehen.
Als Tierbaby auf die Schlachtbank
Die männlichen Kälber werden gemästet und geschlachtet. In Österreich wird sehr viele Milch getrunken bzw. Milchprodukte gegessen. Je mehr Milch nachgefragt wird, desto mehr Kälber müssen geboren werden. Mehr, als hierzulande Kalbfleisch verzehrt wird, deshalb werden viele österreichische Kälber auf langen Transportfahrten ins Ausland gebracht, etwa nach Spanien oder Italien, wo traditionell mehr Kalbfleisch gegessen wird.
Ein paar Zahlen
Milchkälber (Kalbfleisch) werden mit 4-6 Monaten geschlachtet.
Jungrinder werden mit 10-12 Monaten geschlachtet.
Kalbinnen werden mit 14-20 Monaten geschlachtet.
Ochsen werden in der Regel mit 22-30 Monaten geschlachtet.
Milchkühe werden i.d.R. mit 4-5 Jahren geschlachtet.
Die natürliche Lebenserwartung von Rindern ist 30 Jahre.
Das Schicksal der Mutterkühe
Nachdem man Kuh und Kalb getrennt hat werden die Muttertiere mehrmals täglich gemolken, die Milch wird vermarktet. Unter normalen Bedingungen würde der Milchfluss der Kuh nach einem knappen Jahr nachlassen, deshalb wird die Kuh ca. drei Monate nach der Geburt des Kalbes erneut künstlich befruchtet und bekommt etwa ein Jahr nach der ersten Geburt erneut ein Junges. So sind die Kühe in der Milchwirtschaft ab ihrem zweiten Lebensjahr einer Dauerschwangerschaft ausgesetzt.
Der enorme, dauernde Milchfluss zehrt an der Gesundheit und an den Reserven der Tiere, was dazu führt, dass Hochleistungskühe im Alter von vier bis fünf Jahren geschlachtet werden. Die eingesetzten Melkmaschinen, die das Melken von bis zu 100 Kühen in zwei Stunden ermöglichen, verursachen oft Verletzungen. Diese fördern die Entstehung von Mastitis, einer bakteriellen Infektion, die speziell in der Milchindustrie bekannt und weit verbreitet ist.
Den weiblichen Kälbern steht der gleiche Kreislauf wie ihren Müttern bevor.
Wider die Natur
Kühe sind von Natur aus Herdentiere mit einer komplexen Sozialdynamik. Allerdings haben sie in der Intensivhaltung keinerlei Möglichkeiten Sozialbeziehungen innerhalb der Herde zu entwickeln. Denn Milchkühe aus herkömmlicher Haltung leben zu 95% in ständiger Anbindehaltung, die die Bewegungsfreiheit der Tiere auf das Aufstehen und Hinlegen beschränkt. Diese Form der Haltung ist laut Bundestierschutzgesetz eigentlich verboten. “Zwingende rechtliche oder technische Gründe“ wie fehlende Weideflächen oder bauliche Gegebenheiten erlauben jedoch einen großen Spielraum für Ausnahmen. Dies gilt auch für die vorgeschriebenen 90 Tage, an denen die Anbindehaltung für Auslauf oder Weidegänge unterbrochen werden müsste. Der Platzmangel führt, in Kombination mit dem permanenten Melken, zu Euterentzündungen, Zitzenverletzungen sowie Gelenks- und Klauenschäden. Zu diesen Krankheiten trägt auch das Kraftfutter bei, das die Tiere in großen Mengen verabreicht bekommen.