Info: Milch – ein gesundes Lebensmittel?

Weiße Lügen?

Die Agrarindustrie setzt alles daran, Milch als besonders gesund darzustellen. Aber ist sie das tatsächlich? Was ist mit den Rückständen von Antibiotika, die den Kühen in der Intensivhaltung verabreicht werden, was mit der Laktoseunverträglichkeit, unter sehr so viele Menschen leiden? Und so zeigen auch immer mehr Studien und Untersuchungen, dass der gute Ruf, den die Milch genießt, nicht gerechtfertigt ist. Gesünder ist es, pflanzliche Milch, wie Soja-, Reis-, Hafer- oder Dinkelmilch zu trinken. Und das Kalzium liefern in für den Körper ohnehin besser verwertbarer Form Gemüse und Nüsse.

 

Kohl statt Kuh
Natürlich enthält Milch Nährstoffe. Diese können aber ebenso gut oder sogar besser über pflanzliche Lebensmittel aufgenommen werden. Während 100 g Kuhmilch bei normaler Absorption ca. 10 mg Calcium (=Kalzium) liefern, sind es bei der gleichen Menge Kohl sogar 22 mg und bei Mandeln 18 g. Gute Kalzium-Lieferanten sind etwa Brokkoli und andere Kohlarten, Pak Choi, Fenchel, Lauch usw., Sesam, Mandeln, Feigen, Tofu und angereicherte Sojamilch.

 

Kalziumräuber Milch
Wie Studien zeigen, ist das Problematische an der Milch, dass sie zwar viel Kalzium enthält, paradoxerweise im menschlichen Körper einen Abbau von Kalzium verursacht: Wie alle tierischen Produkte enthält Kuhmilch verhältnismäßig viele schwefelsäurehaltige Proteine, die mit Kalzium einen schlecht resorbierbaren Chelatkomplex eingehen und so wirkt Milch im Endeffekt als Kalziumräuber. So ist gerade in Ländern, in denen viele Milchprodukte konsumiert werden, die Osteoporose-Rate besonders hoch. Ausserdem wirken die meisten Milchprodukte übersäuernd.

 

Milch ist Babynahrung
Ausserdem reagieren viele Menschen auf Milcheiweiß allergisch. In Mitteleuropa haben ca. 15% der Menschen (das heißt, jeder 7. Österreicher) eine erbliche Laktoseintoleranz (daneben gibt es auch noch eine erworbene). Das ist keine Krankheit an sich, sondern der Normalzustand des Großteils der Erdbevölkerung: Bei einem erwachsenen Menschen ist nur noch eine Restaktivität des Enzyms Laktase (jenes Laktose spaltenden Enzyms) vorhanden. Die Maximalaktivität der Laktase besteht zum Zeitpunkt der Geburt und in der Stillzeit und fällt danach ab. So hat ein 5 Jahre altes Kind auch nur mehr eine 5 bis 10-prozentige Laktase-Aktivität im Vergleich zu jener bei seiner Geburt. Die Laktose-Intoleranz kann also als natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf ein ungeeignetes Nahrungsmittel betrachtet werden. Nur in Mittel-, vor allem aber im rauen Klima Nordeuropas, wo das Überleben der Menschen seit ca. 10.000 Jahren eng mit ihren Milchkühen verknüpft war, hat sich eine Bevölkerung entwickelt, die zum Großteil auch noch als Erwachsene Laktose abbauen kann. Diese Entwicklung entstand aber aus der Not heraus und ist die Ausnahme. Die Bevölkerungsmehrheiten in Asien und Afrika nehmen kaum oder keine Milchprodukte zu sich – in Asien ist Milch traditionell sogar verpönt und gilt in der traditionellen chinesischen Medizin als “schleimbildend”.

 

Von Blähbauch bis Osteoporose
Die durch zuwenig Laktase nicht gespaltene Laktose gelangt in den Dickdarm und wird von den dort lebenden Darmbakterien gespalten, was zu Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen und in langer Folge auch zu Osteoporose führen kann. Eine Reihe von anderen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (durch die gesättigten Fettsäuren) und verschiedene Krebsarten (v.a. durch die Wirkung der in der Milch enthaltenen Hormone wie Wachstumshormone, Östrogene u.a.) werden heute in Verbindung mit dem Konsum von Milch gebracht. Da die Kühe wegen der Melkmaschinen, den Dauerschwangerschaften und dem Leistungsdruck häufig an Euterentzündungen leiden, finden sich auch Eiterpartikel in der Milch. Hinzu kommen die Rückstände von Antibiotika und Hormonen.

 

Kurzum – es spricht nichts dagegen auf Kuhmilch als Kalzium-Lieferant und Lebensmittel zu verzichten, es spricht sogar vieles dafür. Voraussetzung ist natürlich wie bei jeder Ernährungsform, dass man sich ausgewogen und vielseitig ernährt, an die frische Luft und Sonne geht und sich ausreichend bewegt.

 

Einen genauen Überblick über alle wichtigen Nährstoffe und Vitamine (inkl. veganer Nährwerttabelle zum Download) finden Sie hier: http://vebu.de

Eine kleine Auswahl an Studien über gesundheitliche Wirkungen von Milchprodukten:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov
http://onlinelibrary.wiley.com
http://www.ncbi.nlm.nih.gov
Eine weitere Liste mit Studien rund um vegetarische Ernährungsformen, gesundheitliche Wirkungen von Fleisch und Milch findet sich hier: http://futurefood.org

Dieser Artikel ist unter Mithilfe von Dr. Thomas Lehninger entstanden.

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