Info: Leder

Viel Chemie zum Gerben

Leder ist kein Naturprodukt. Ganz im Gegenteil: 1. Lederwaren sind i.d.R. voll mit Chemikalien, mit denen sie bei der Gerbung in Berührung kommen (etwa Chromsalze), somit sind sie auch nicht biologisch abbaubar. 2. Ein Teil der Chemikalien bleibt im Leder und kann sich gesundheitsschädlich auswirken. 3. Die Abwässer von Gerbereien verursachen große Umweltprobleme, wobei viele Schuh- und Lederfirmen in Entwicklungsländern gerben lassen – wegen der billigen Löhne und der geringen oder fehlenden Umweltauflagen (siehe Info „Ledergerbung“). 4. Leder ist kein „Abfallprodukt“ der Schlachthöfe:

Rentables „Abfallprodukt“

Die Fleischindustrie baut auf die Verkäufe der Häute, um profitabel zu arbeiten. Die beiden Industriezweige sind nicht voneinander zu trennen. Die Häute der geschlachteten Tiere sind das wichtigste wirtschaftliche Nebenprodukt. Das Geschäft ist so lukrativ, dass viele der größten Fleisch-„Produzenten“ ihre eigenen Ledergerbereien betreiben. Ähnliche Zusammenhänge gibt es im Übrigen auch in der Milchindustrie: Wenn die Kühe nicht mehr genügend Milch geben, werden sie geschlachtet und ihre Haut zu Leder verarbeitet. Ausserdem werden wegen der Milchindustrie „zu viele“ Kälber geboren. Aber auch die Tierkinder werden gewinnbringend verarbeitet und ihre Häute als teures feines Kalbsleder verkauft.

Schlachthof Amazonas

Am globalen Markt kommt das Leder sehr oft von Schlachthäusern und Gerbereien, die Amazonaswälder für ihre Rinderweiden roden, wie die Umweltschutzorganisation greenpeace in ihrem Report „Slaughtering the Amazon“ aufdeckte. Rund 80 Prozent der abgeholzten Urwaldfläche wird im Amazonasgebiet als Weideland für die Rinderzucht verwendet. Hier können Sie eine Zusammenfassung lesen und den Report (in Englisch) herunterladen: www.greenpeace.org

animal.fair hat versucht, Firmen zu finden, die mit Leder arbeiten, das man ethisch einigermassen vertreten kann. Warum Sie in unserem  Einkaufsführer trotzdem keine Bezugsquellen für ethische Lederwaren finden, erfahren Sie in der Info „Ethische Lederware? Mangelware!“

Der Preis der billigen Schuhe

Der Markt ist global, und auf diesem Markt gibt es eine enorme Menge und zum Teil auch ziemlich billiges Leder: für Schuhe, Taschen, Sofas oder Autobezüge. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass das Leder von Tieren stammt, die ein einigermaßen erträgliches Leben hatten – das hatten die wenigsten von ihnen. Die meisten „Lederlieferanten“ kommen aus der Massentierhaltung mit all ihren Schrecken: dunkle, überfüllte Ställe, in denen natürliches Verhalten ausgeschlossen ist. Enthornung, Kastration, Kupieren des Schwanzes – ohne Narkose. Tiertransport, Schlachtung im Akkord.

Die Häute, die in der Schuh- und Taschenbranche heutzutage verarbeitet werden, stammen zu einem großen Teil von Rindern, aber nicht nur. Es werden auch die Häute von Schafen, Pferden, Ziegen, Schweinen und sogar von Katzen und Hunden (aus China) verwendet. Nach Recherchen der Tierschutzorganisation PETA ist die wachsende Lederindustrie in Indien eine der vielleicht grausamsten der Welt – und Europa ist Hauptimporteur von billigem indischem Leder.

Wer Leder kauft, sollte zumindest Bescheid wissen und sich darüber im Klaren sein, dass er damit diesen unethischen Kreislauf unterstützt. Jeder Kauf von Lederwaren fördert die Massentierhaltung und die Fleischindustrie. Und da die Massentierhaltung der größte Verursacher der Erderwärmung ist, leistet der Lederschuh auch seinen Beitrag zum Klimawandel.