Info: Gütesiegel für tierfreundliche Kosmetik

am besten bio und vegan

animal.fair’s Lieblingssiegel ist das IHTK-Siegel und die Marken der Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes. animal.fair‘s zweites Lieblingssiegel ist das HCS, das international schon recht weit verbreitet ist. Beide Siegel garantieren ein hohes Maß an Sicherheit vor Tierversuchen. Generell empfehlen wir, nur echte (zertifizierte) Naturkosmetik zu verwenden. Das ist auch für Ihren Körper besser. Das Bild einer Aprikose auf dem Shampoo sagt darüber gar nichts aus.

Ein Dschungel
Es ist ein Dickicht an Gütesiegeln und Zertifikaten, dem sich der Kosmetik-Konsument gegenüber sieht. Wichtig ist zu wissen, dass es Siegel gibt, die nur etwas über Tierversuche aussagen (IHTK, HCS). Die Veganblume wiederum kennzeichnet Produkte, die frei von tierlichen Inhaltsstoffen sind. Eine weitere Gruppen an Siegeln wie BDIH, NaTrue, Cosmebio, Ecocert usw. zeichnet Produkte als Natur- oder Biokosmetik aus. Am besten wäre eine Kombination aller drei Kategorien.

Die beste Kosmetik
Aus Sicht von animal.fair sollten Kosmetik- und Körperpflegeprodukte diese drei Kriterien erfüllen:
1. Sie enthalten keine tierlichen Substanzen und sind somit vegan.
2. Sie enthalten keine Inhaltsstoffe, die an Tieren getestet wurden.
3. Ihre pflanzlichen Inhaltsstoffe stammen aus Bioanbau.
Unter den Kosmetikmarken im animal.fair Shopping Guide können Sie sich Ihre Marke oder Marken heraussuchen.

Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes und IHTK

Nur hier sind Tierversuche tatsächlich ausgeschlossen. Der Deutsche Tierschutzbund hat strenge Richtlinien gegen Tierversuche aufgestellt. Bei den Kosmetikmarken auf der Positivliste werden garantiert keine Inhaltsstoffe verwendet, die nach 1979 an Tieren getestet wurden. Weder direkt, noch indirekt, noch über ein ausgelagertes Unternehmen dürfen Tierversuche im Spiel sein. Außerdem sind Inhaltsstoffe toter Tiere bzw. aus tierquälerischer Gewinnung ausgeschlossen (z.B. Nerzöl, Murmeltierfett, Seide, Cochenilleläuse, Bärengalle etc.). Und es darf keine wirtschaftliche Abhängigkeit zu Firmen bestehen, die Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben.

Einige der Kosmetikfirmen der Positivliste haben sich zum IHTK, dem “Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik” zusammengeschlossen – sie setzen sich besonders im Kampf gegen Tierversuche ein. Nur diese Firmen dürfen das internationale Markenzeichen mit dem Hasen unter der schützenden Hand auf ihren Produkten anführen. (Die anderen Firmen der Positivliste sind leider nicht durch ein Siegel gleich erkennbar. Sie können sich unsere Liste ansehen mit jenen Marken, die in oder von Österreich aus relativ realistisch zu beziehen sind. Die vollständige Liste finden Sie auf der Homepage des Deutschen Tierschutzbundes auf www.tierschutzbund.de bzw. beim Herstellerverband IHTK unter www.ihtk.de)

HCS (Humane Cosmetic Standard)

Das Siegel ist nicht so streng wie die Kriterien des Deutschen Tierschutzbundes (Positivliste und IHTK). Es lässt leider auch eine Hintertür für Tierversuche offen. Ab einem vom jeweiligen Unternehmen festgesetzten Datum dürfen keine Rohstoffe im Tierversuch getestet sein, das einmal festgesetzte Datum darf nicht mehr geändert werden.

Davon ausgenommen sind allerdings Rohstoffe, die für einen anderen Bereich an Tieren getestet werden, etwa für Chemikalien oder aus medizinischen Gründen. Ohne das den teilnehmenden Kosmetikfirmen unterstellen zu wollen: aber bei Millionen von genehmigten Tierversuchen lassen sich ganz leicht Rohstoffe im Tierversuch unterbringen, denn ein z.B. medizinischer Forschungszweck ist schnell gefunden. Und so können Kosmetikfirmen laufend Rohstoffe verwenden, die an Tieren getestet wurden – eben nicht aus kosmetischen, sondern aus anderen Gründen. Das ist der große Nachteil dieses Gütesiegels.

Es gibt aber auch einen großen Vorteil: es haben sich damit nämlich erstmals Tierschutzorganisationen weltweit (v.a. Nordamerika und Europa) auf einen Standard geeinigt, nach welchen Kriterien ein Produkt als “tierleidfrei” gilt. Damit ist es auch ein internationales Logo, das weltweit immer mehr Kosmetikfirmen anstreben. Administriert wird das HCS-Siegel von der “Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen”, kurz ECEAC. (siehe www.gocrueltyfree.org und www.de.eceae.org) Früher war das Siegel bekannt unter dem Namen “Leaping bunny”.

Veganblume

Das Siegel wird von der Vegan Society in Großbritannien vergeben. Die Veganblume kennzeichnet Lebensmittel, Kosmetika, Reinigungsmittel etc., die keine tierlichen Inhaltsstoffe beinhalten. Auch der Herstellungsprozess ist tierbestandteilfrei.

Tierversuche sind laut Kriterien untersagt, allerdings ist dieses Gütesiegel darauf ausgerichtet zu garantieren, dass ein Produkt vegan ist. Das Reglement in Hinblick auf Tierversuche ist nicht ausgefeilt und bietet nicht dieselbe Sicherheit wie etwa die Prüfung durch den Deutschen Tierschutzbund bzw. das IHTK-Siegel. Hierzulande findet sich die Veganblume oft in Kombination mit dem BDIH-Siegel.


Naturkosmetik oder Drogeriekosmetik

Die folgenden Siegel sagen in erster Linie etwas darüber aus, ob es sich um Naturkosmetik oder Biokosmetik handelt – im Gegensatz zu Drogeriekosmetik (siehe Info “Die Giftküche der Kosmetikindustrie”). Die Frage der Tierversuche wird bei den nachfolgenden Siegeln für Naturkosmetik höchst unterschiedlich behandelt. animal.fair empfiehlt deshalb auf eine Kombination zwischen IHTK- oder HCS-Siegel und einem der folgenden Siegel zu achten.

Gemeinsam sind den Naturkosmetik-Gütesiegeln folgende Grundsätze:
– sie verzichten auf synthetische Farbstoffe, Duftstoffe und Konservierungsmittel
– sie verzichten auf Silikone sowie auf Paraffine und andere Erdölprodukte
– sie verzichten auf radioaktive Bestrahlung zur Entkeimung von Rohstoffen und Produkten

NaTrue

Dieses Siegel ist quasi eine Weiterentwicklung aus dem BDIH-Siegel heraus und wurde von einigen Naturkosmetikfirmen ins Leben gerufen, um klarer auszuschildern, wie hoch der Anteil an Bio-Zutaten ist. Ausserdem ist das Siegel strenger in Hinblick auf Zusammensetzung der Produkte, Herstellungs-Verfahren sowie ökologische Praktiken.

Das 3-Sterne-System zeigt, ob es sich bei einem Produkt um Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil oder reine Bio-Kosmetik handelt. Die Haltung von NaTrue in Hinblick auf Tierversuche ist aus unserer Sicht aber eher unbefriedigend, weil man lediglich auf die gesetzlichen Regelungen und REACH verweist und kein weiteres Engagement erkennen lässt. (REACH ist eine EU-Richtlinie, derzufolge in den nächsten Jahren geschätzte 56 Millionen Versuchstiere zum Opfer fallen werden, weil alle Chemikalien noch einmal neu durchgetestet werden, um sie einheitlich zu katalogisieren.)

Ein Stern: Bio-Zutaten sind erwünscht, aber nicht vorgeschrieben. (Ein Stern entspricht in etwa den Vorschriften des BDIH-Siegels)

Zwei Sterne: mindestens 70% der pflanzlichen und tierlichen Inhaltsstoffe müssen Bio-Qualität haben.

Drei Sterne: mindestens 95% der pflanzlichen und tierlichen Inhaltsstoffe müssen Bio-Qualität haben.

BDIH

Dieses Siegel zeichnet Naturkosmetik aus, wobei der verbindliche Anteil an Inhaltsstoffen aus kontrolliert biologischem Anbau kaum reglementiert ist.

Tierversuche am Endprodukt sind verboten. Rohstoffe, die vor 1998 noch nicht am Markt waren, dürfen nur dann verwendet werden, wenn sie nicht im Tierversuch getestet wurden (von Dritten durchgeführte Tierversuche bleiben von der Regelung unberührt). Tierliche Inhaltsstoffe (wie Karmin, Schellak oder Seide) sind erlaubt. Der Vorteil des Siegels ist, dass es hierzulande sehr weit verbreitet ist, der Nachteil, dass auch Unternehmen zertifiziert werden, die einen Unternehmenszweig mit konventioneller Kosmetik haben.

Kommen wir zu den Schönheitsfehlern: Wie die Tierschutzorganisation Vier Pfoten kritisiert, können 40% der Produkte eines Unternehmens nicht BDIH-zertifiziert sein. Das bedeutet, dass es passieren kann, dass Sie als Konsument eine BDIH-zertifizierte Creme der Firma XY kaufen, für die zwar keine Tierversuche gemacht wurden, Sie damit aber ein Unternehmen mitfinanzieren, dass in einem anderen Bereich Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben könnte.

Ausserdem: Die Verwendung von Rohstoffen von toten Wirbeltieren ist untersagt, häufig werden jedoch Lanolin, Bienenwachs, Honig, Seide, Shellack und Karmin (Ausscheidungen von Läusen oder zerquetschte Läuse) sowie Milchproteine eingesetzt.

Ausserdem: Bio-Zutaten sind erwünscht, aber nur für 15 Inhaltsstoffe vorgeschrieben. Bei Bio-Auslobung muss der Bio-Anteil des Gesamtprodukts angegeben werden. Nur wenn “Bio” im Produktnamen vorkommt, müssen 95% der in Bio-Qualität verwendbaren Bestandteile auch bio sein. Besonders problematisch ist es, dass die Verwendung tierlicher Inhaltsstoffe erlaubt ist, die nicht aus kbT (kontrolliert biologischer Tierhaltung) stammen, z.B. bei Lanolin (Wollfett). Umso wichtiger ist deshalb der Blick in die INCI-Liste: Hier sollte bei möglichst allen Zutaten (ausser Wasser) ein * dabei stehen, der als Fussnote darauf verweist, dass es sich bei der Substanz um eine aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrolliert biologischer Tierhaltung handelt. (siehe Info “Geheimcode INCI”)

Vom BDIH gibt es eine internationale Version namens IONC (International Organic and Natural Cosmetics Corporation).

Und derzeit arbeiten BDIH (Deutschland), Cosmebio (Frankreich), Ecocert (Frankreich), ICEA (Italien) und die Soil Association (Großbritannien) daran, einen gemeinsamen Standard zu entwickeln. Wenn darin die höchsten Tierschutzstandards übernommen werden, wäre es sicher eine große Vereinfachung für die Konsumenten, wenn sich der Siegel-Dschungel etwas lichtet. (siehe www.cosmos-standard.org)

Ecocert

Ecocert ist ein international tätiger Kontrollverband mit Hauptsitz in Frankreich. Das Ecocert-Siegel gibt es in zwei Stufen:
“Naturkosmetik” bedeutet mindestens 95% der Zutaten müssen natürlichen Ursprungs sein, der Bio-Anteil im Endprodukt mindestens 5%, bezogen auf pflanzliche Zutaten 50%.
“Bio-Kosmetik” ist natürlich besser und bedeutet, dass der Bio-Anteil im Endprodukt mindestens 10% betragen muss, bezogen auf pflanzliche Zutaten 95%. Substanzen von wirbellosen toten Tieren (Cochenille, Seide) sind nicht erlaubt. Tierversuche am Endprodukt sind verboten.

Cosmebio

Auch das zweite französische Kontroll-Siegel gibt es in zwei Varianten.
“eco”: mindestens 95% der Zutaten müssen natürlichen Ursprungs sein, der Bio-Anteil im Endprodukt mindestens 5%, bezogen auf pflanzliche Zutaten 50%.
“bio”: Der Bio-Anteil im Endprodukt muss mindestens 10%, bezogen auf pflanzliche Zutaten 95% betragen.

 

 

Fazit
Die tierfreundlichste Kosmetikmarke trägt das IHTK-Siegel (oder HCS) und ist vegan und verwendet Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildsammlung. Dass ein Produkt vegan ist, sieht man entweder an der Veganblume oder durch einen geschulten Blick auf die INCI-Liste (siehe Info “Geheimcode INCI”). Bei der Entschlüsselung kann man sich auch der Hilfe eines Smartphone-Apps bedienen oder im Internet nachsehen.

Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik. Am besten schneidet jene ab, die nur Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildsammlung verwendet. Die Gütesiegel für Naturkosmetik (die wiederum das Thema Tierversuche stiefmütterlich behandeln) erlauben hier in unterschiedlichem Ausmaß die Beimischung synthetischer oder tierlicher Inhaltsstoffe (siehe einzelne Gütesiegel). Auch hier schadet ein Kontrollblick in die INCI-Liste nicht. Bei den einzelnen Inhaltsstoffen sollte ein * sein, der auf die Fussnote “aus kontrolliert biologischem Anbau” verweist. Vorsicht vor allem bei Lanolin. Fehlt der Stern, stammt es sehr oft aus Australien und damit von Schafen, die dem grauenhaften “Mulesing” unterzogen wurden (siehe Info “Wolle”).

Wichtig ist auch, bei jedem einzelnen Produkt auf das Gütesiegel zu achten! Man kann sich nicht darauf verlassen, dass alle Produkte einer Firma den gleichen Kriterien unterzogen werden. Das gilt insbesondere für die Veganblume. Die Gütesiegel werden meist nicht pauschal an Firmen vergeben, sondern nur für jedes einzelne Produkt.

Ein Kommentar

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    [...] ist es weiterhin wichtig auf Siegel zu achten, die Tierversuche ausschließen, das sind das IHTK-Siegel und das HCS-Siegel. Denn – und das muss als Lücke des EU-Tierversuchsverbots für Kosmetika [...]

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