Info: Gütesiegel für ökologische Textilien

Ökologisch gefärbt

Green Fashion, also Ökomode sowie ökologische Heimtextilien sind derzeit die beste Wahl, um Tierleid so gering wie möglich zu halten. Je weniger Chemikalien beim Anbau, der Verarbeitung und Herstellung eingesetzt werden, umso eher stecken keine Tierversuche dahinter. Aber wie erkenne ich echte Green Fashion? Dazu gibt es Gütesiegel (wie GOTS oder IVN best), die ökologische und arbeitsrechtliche Standards bei der Herstellung garantieren:

 

Eines gleich vorweg: selbst bei Bio- und Ökotextilien gibt es keine 100%ige Garantie, dass alle Bereiche der Produktion bis hin zu den Farben tierversuchsfrei sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass keine Tierversuche oder Tiermisshandlungen (wie das Mulesing) im Spiel sind, ist bei Textilien, die mit den Gütesiegeln IVN best und GOTS zertifiziert sind, aber am größten. Deshalb empfiehlt animal.fair, den Weg des geringsten Übels für die Tiere zu gehen – und kontrollierte Green Fashion zu kaufen. Dazu gleich ein Achtung: Im Gegensatz zur Lebensmittelindustrie sind Begriffe wie “Natur”, “Bio” oder “Öko” bei Textilien nicht geschützt. Umso wichtiger ist es auf anerkannte Gütesiegel zu achten.

Die nachfolgenden Gütesiegel gelten auch für den Bereich der Heimtextilien: Bettwäsche, Frotteewaren, Möbelstoffe, Teppiche usw.

 

IVN best

Dieses Siegel garantiert das höchste Niveau im Bereich Ökotextilien, es ist vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitet. Für die gesamte textile Produktionskette – vom Anbau über die Färbung bis hin zu Knöpfen und Reißverschlüssen – gibt es strenge Richtlinien. Ein – aus unserer Sicht – Nachteil von IVN best und GOTS ist, dass sie synthetische Fasern nur in einem sehr begrenzten Ausmaß zulassen. Häufig verursacht deren Herstellung aber einen geringeren ökologischen Fußabdruck als etwa Wolle oder Leder. (siehe Info “Kunstfaser oder Naturmaterial”)

 

GOTS
Das bekannteste und international am weitesten verbreitete Gütesiegel für ökologische Textilien ist der “Global Organic Textile Standard”. Um dem Wildwuchs an Gütesiegeln entgegenzuwirken, haben sich große internationale Verbände und Siegelaussteller auf diesen Standard geeinigt. Zur Erleichterung der KonsumentInnen und mit bereits großem Erfolg. In der Branche kommt am GOTS-Siegel niemand mehr vorbei. Es beinhaltet strenge ökologische und soziale Kriterien – weder die Menschen noch die Umwelt sollen ausgebeutet werden. Kontrolliert wird vom Anbau bis zur Fertigstellung.
Allerdings gibt es zwei Kategorien: Bei “made with x % organic materials” müssen nur mindestens 70% der Fasern aus ökologischem Anbau stammen. Nur mit dem Zusatz “organic” (ohne Prozentangabe) müssen es mindestens 95% sein. (Hinweis: Das früher weit verbreitete EKO-Siegel des niederländischen Zertifizierers SKAL hat inzwischen auch die GOTS-Kriterien übernommen und firmiert nun unter dem GOTS-Siegel.)

 

Fairtrade
Dieses Kontrollsiegel auf Baumwollprodukten garantiert einen fairen Handel, eine faire Entlohnung der ArbeiterInnen auf den Baumwollplantagen und Nähereien und es gibt fixe Mindestpreise für die Produzenten. Ausserdem werden soziale Projekte in den Anbau- und Verarbeitungsgebieten gefördert. Garantiert werden gentechnikfreies Saatgut, es gibt eine Liste verbotener Substanzen, der Anbau soll umweltfreundlich erfolgen und der Bioanbau gefördert werden. Inzwischen stammen auch bereits viele Baumwolltextilien aus kontrolliert biologischem Anbau und die Fairtrade-Organisation will das weiter ausbauen.

 

made-by
Bei diesem niederländischen Gütesiegel, dessen Marken auch in Österreich erhältlich sind, steht der Impuls im Mittelpunkt. Es gibt keine Garantie für ein zu 100% ökologisch erzeugtes Kleidungsstück. Die teilnehmenden Firmen verpflichten sich den ökologischen und sozialen Standard ihrer Produktion zu heben und ein nachhaltiges Wirtschaften anzustreben.

 

 

 

Organic Exchange oder Biobaumwolle ohne Kontrollsiegel
Das niedrigste Niveau stellen Kleidungsstücke dar, die nur aus Biobaumwolle sind. Es handelt sich meist um die Öko-Linien einzelner Großer Marken oder Handelsketten: Hier ist der Anbau der Baumwolle zwar biologisch. Die Weiterverarbeitung der Textilien, die Ausrüstung mit Chemikalien und Farben, bleibt meist im Dunkeln. So auch beim Gütesiegel “Organic Exchange Standard 100″, das wir beispielhaft anführen wollen. Es garantiert, dass ein Kleidungsstück zu 100% aus Biobaumwolle besteht. Die Weiterverarbeitung der Stofffasern wird hier nicht überprüft! Zur Verwirrung trägt sicher auch bei, dass es von Organic Exchange noch zwei weitere Siegel-Varianten gibt. Bei “Blended Standard” werden nur 5% Biobaumwolle beigemischt. Und bei “Organic-in-conversion” handelt es sich um Baumwollanbau in der Umstellungsphase hin zur ökologischen Bewirtschaftung.

 

Fazit
Am tierfreundlichsten und ökologischsten fährt man mit den zwei strengsten Siegeln IVN-best und GOTS oder mit Fairtrade-Textilien aus Bioanbau.

 

Keine Empfehlung von animal.fair
Darüberhinaus gibt es noch eine Reihe anderer Siegel, deren Produkte aber keine ökologischen Textilien sind und die animal.fair deshalb auch nicht empfiehlt. (Ausser sind kombiniert etwa mit dem GOTS-Siegel, was manchmal vorkommen kann.) Am weitesten verbreitet ist das Siegel Öko-Tex-Standard 100: Der Name ist irreführend, denn mit diesem Siegel wird lediglich garantiert, dass die Schadstoff-Rückstände (z.B. Pestizide, Formaldehyd, Schwermetalle, chlororganische Verbindungen) in einem Textil unter einem gewissen Grenzwert liegen. Einige giftige Chemikalien sind auch verboten. Wozu aber überhaupt Textilien mit Schadstoffen behandeln? Ökologische und soziale Kriterien gibt es bei dem Siegel nicht! Es handelt sich auch nicht um Biobaumwolle! Der Vollständigkeit halber seien noch die beiden etwas höheren Standards von Öko-Tex erwähnt: Öko-Tex Standard 1000 prüft, ob ein Produktionsbetrieb halbwegs umweltfreundlich arbeitet, das hat mit dem Produkt selbst aber nichts zu tun. Und bei Öko-Tex Standard plus gibt es auch noch soziale Kriterien. Sinnvoll ist der Ökotex-Standard aus unserer Sicht lediglich bei der Druckfarbe von T-Shirt-Applikationen.

 

 

Ähnliches wie bei Ökotex gilt auch für das Europäische Umweltzeichen (Blume). Oder für firmeneigene Qualitätszeichen einzelner Großunternehmen. Sie beschränken den Schadstoffeinsatz, verbieten ihn aber nicht. Zu vieles bleibt beim Herstellungsprozess im Dunkeln, auch die firmeneigene Kontrolle darf man hinterfragen. Von Regeln, die Tiere schützen, ganz zu schweigen.

Ein Kommentar

  1. 1

    die herausgeber der siegel müssen noch einiges in ihren Bekanntheitsgrad investieren. bisher sind diese -bis auf das nicht empfehlenswerte siegel- nur der szene bekannt.

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